Editionskriterien

Der fünfte Alte

Leithandschrift
Ka1 Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. St. Georgen 64
Kontrollhandschriften
Am1 Privatbesitz, ehem. Amsterdam, Bibliotheca Philosophica Hermetica, BPH 207
Ka2 Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 241
Ka3 Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 242
St3 Stuttgart, Landesbibliothek, Cod. theol. et phil. 2° 144

Der fünfte Alte


1

[1] Der fúnfte alte leret von conciencie; dǎrnǎch von guͦter und boͤser mainung; dǎrnǎch von guͦtem und boͤsem willen.


2

| (12vb) [1] |ed 234,1 Es ist vil ze prisend und ze ruͤmende, daz dich, geminnte sele, die vier alten vor mir als gar endelichen und nuczlichen den wege der warhait ze got gewiset hand mit guͦter, manigvaltiger lere. [2] Doch daz dir der guldin trone dester basz gestuͦlet werde, so wil ich fúnfter alte och minnen flis uf |ed 234,5 dich keren mit saͤliger und hailiger lere und wil dich wisen in die stucke und gruntveste, darusz dem menschen alle die guͦten werke entspringent, die er von innen und von usnen geuͤben mag, mit den er daz ewige leben mag verdienen. [3] 'Won der vil wishait hoͤret, der wirt dester wiser', sprichet och Salomon. [4] Und hest du vil kunst von minan gesellen vor mir enphangen, | (13ra) so vahe ich ain ander wisz|ed 234,10hait mit dir an ze uͤbende. [5] Ich wise dich in din aigen consciencie und in din mainung und in dinen willen. [6] Kanst du die drú stucke wol ordenen in gott, als ich dich si leren wil, so wirst du ewenclich saͤlig.


3

[1] Es sprichet sant Jeronimus, das die consciencie ist ain wiserin der sele. [2] Es sprichet Damastenus, daz consciencie ist ain geseczte der vernufte. [3] Si ist och ain urtailerin und ain uszrihterin alles menschen lebens und ain beschaiden zoͤgerin, waz|ed 234,15 man tuͦn und lǎn sol in allen goͤtlichen werken, und ist ir selbs ain ain erkennerin. [4] Aber sanctus Bernhardus in dem buͦch von dem erkennen seit: Es ist ain grosser schacze, ain guͦt consciencie. [5] Was mag uff ertrich suͤsser sin denne ain consciencie guͦt, won si fúrhtet kainen schaden der sache noch kain versmaͤhede schedelicher wort noch fúrhtet kain liden des libes und wirt mit ainem sterbenden undergang me uf gerihtet|ed 234,20 denne nider geleit. [6] Seneca sprichet, das alle froͤde, die wahset von ainer guͦter consciencie.


4

[1] Voran solt du betrahten, daz dir din consciencie nit ze milte sie noch ze strenge. [2] Won die milt consciencie bringet dich in úbermuͦt und machet boͤse sache guͦt, aber ain strenge und ain enge consciencie die pringet dich in ain verzwifeln oder in ain verzagen, won si machet guͦt boͤse. [3] Din | (13rb) consciencie sol also sin, daz sú din sele naige |ed 234,25 zuͦ guͦten werken volbringen und boͤse werke fliehen und vergangen leben sol si ansehen und sol din verkert gemuͤte strǎffen, daz es boͤsz getǎt volbraht und guͦte werke versumet hǎt. [4] Si sol och gegenwertig leben an sehen in ainem widersprechen aller widerwertiger sachen und sol sich huͤten vor kúnftigem schaden und gebresten, versorgen ze welerlaige|ed 234,30 guͦttete oder bostete , tugende oder untugende dich din gemuͤtte tribe und raicze. [5] Und davon sprichet die glose úber sant Paulus epistel: Der mensche redet frilich, der ain guͦt und luter consciencie het; der aber ain boͤse consciencie het, der fúrhtet im an aller stat ze reden, er verlúret sin sinne und irret an allen sinen werten. [6] Och sprichet Ysidorus von dem hoͤhsten|ed 234,35 guͦt: Der mensch mag wol alle dinge fliehen, denn sin aigen hercze, dem mag er niendert entrinnen noch entfliehen, won sin aigen consciencie vindet in an allen stetten. [7] Da er joch entrinnent dem urtail diser welte, da mag er doch nit entfliehen der strǎffunge siner consciencie, won consciencie ist ain kerker, damit die sele alle zit gefangen ist.


5

[1] Merke aber nu, was ain guͦt con|ed 234,40sciencie sige, daz du ùt irrest. [2] Ain reht guͦt consciencie ist, wenne din gemuͤte dinen willen sterklichen darzuͦ verbindet, daz er goͤtlicher geseczte und goͤtlichen gebotten ain volriches benuͤgen ist und | (13va) der wille alles daz schúhet und och flúhet, daz gott verbotten hett, und ǒch goͤtlich rte und wisunge und vermanunge volbringet, als vil er erzúgen mag. [3] Sant Hugo in dem buͦche von der sele sprichet: Ein guͦt consciencie ist in allen dingen sússe und nimet weder swere noch herte kain|ed 235,5 dinge und ziehet den frúnde ze gnaden und viende ze gedult und zuͦ fride und ist allermenglich guͤtige und milte. [4] Und mag ir gott kain súnde verwisen, won si ist nit súmig an guͦten werken. [5] Si ist ain úbergeschrifte gaistlicher gezierde und ain tempel dez ewigen Salomones und ain garte alles wolgelustes und ist ain guldin trutbetlin gottes, ain froͤde der engel,|ed 235,10 ain schacze dez ewigen kúnges, ain sal gottes und ain wonunge des hailgen gaistes und ain gezaichent buͦch innen und usnen und ist dez herczen kunste und wissen, daz alle dinge geliche in got ordnet. [6] Dis sprichet er von ainer lobelichen consciencie. [7] Merke es wol, es ist dir guͦt.


6

[1] Und darumbe solt du, minnende sele, ain raine, guͦt consciencie hǎn. [2] Won es giht Cassiodorus in ainer|ed 235,15 epistel: Der mensche vindet kainen lǒn noch nucz bi gott, der sin consciencie verlorne het. [3] Und mag ǒch nieman zuͦnemen noch nút schaffen in kainer hailikait noch selig werden, der nút consciencie haben wil. [4] Du solt och mit diner consciencie leben, als saͤhe es alle die | (13vb) welte, und solt och also in dinem herczen gedenken, daz dich gott nit darumbe ze straffent habe. [5] Das ist alles ain guͦt|ed 235,20 consciencie. [6] Volgest du ir, so maht du nit irren, wan ain straffende consciencie úberwindet daz hercze und zungen und alle sinne. [7] Daz du ainer guͦten consciencie dester bas muͤgest gevolgen, so solt du dich fast huͤten vor ainer verirrten und verworrner consciencie, die dich mag binden und zwingen in gottes zorne. [8] Und dis ist, wenne du von unwissent nit enwaist, was du tuͦn oder lassen solt oder erwellen oder verwerffen, oder |ed 235,25 wenne du dir selber als gar súmig bist, daz du von niemant fragen noch leren noch gewiset wilt werden in kain wise, daz ist boͤse. [9] Dis ist och ain verworren und ain verirret consciencie, daz der mensche unrihtig und ainrihtig ist und ze vil und vast uff im selber stǎt und kainen gelerten nit volgen wil und sinen aignen sinnen mer volget denne goͤtlicher lere oder der hailgen geschriffte; und dem menschen sin aigen wise bas gevallet denne der andren lúten woltuͦn, daz ist ǒch boͤse. [10] Daz ist och ain betrogen und ain verdorben unendliche consciencie, daz ain mensche ungeordnet begirde het noch sich guͦten lúten nit genoszet noch ze vil vorhte| (14ra) sam und erschrokenlich ist und ǒch tuͦt in allen guͦten werken. [11] Soͤlich verirret und verworren consciencie hindersch|ed 235,30lahent den menschen, daz er sich nit innenclich zuͦ gott keren mag. [12] Du solt soͤlich consciencie fliehen, wan es sprichet sant Gregorius úber Esechiel den propheten: [13] In allem dem, daz du tuͦst, so solt du fliehen in das inwendigest gemuͤte und solt suͦchen den gezúgen und den rihter diner consciencie, wan ez verfahet dich nit úber al, daz dich alle dise welt ruͤmet und dich din aigen consciencie ruͤget. [14] Won dir mag nút|ed 235,35 geschaden, daz dich alle die welt schúhet, wenne dich din aigen consciencie schirmet. [15] Und sant Bernhardus sprichet von dem lobe der minne: Der mensche het ain guͦt consciencie, der sinem nesten gǎn guͦtes als im selber und in allen dingen die ere gottes me minnet denne sich selber.


7

[1] Bisher han ich fúnfter alte dich, minnende sele, geleret, wie du din consciencie halten solt. [2] Aber|ed 235,40 nu wise ich dich, daz zuͦ der consciencie notdúrftig ist ain guͦte mainunge. [3] Won ain raine, guͦte mainunge machet alle werke guͦte, und ain boͤse mainunge verhoͤnet alle werke. [4] Davon sprichet sant Bernhardus an dem buͦche von den sehs fetichen dez serapf: Es ist nit ze merkend, waz der mensche wúrket; man sol aber | (14rb) pruͤfen,in waz mainunge er wúrket, wan die frúht aller werke ligent an ainvaͤltikait der mainunge. [5] Und sant Gregorius sprichet in dem buͦch von den sitten: Als ain huse stat uf súlen und die súle stond uf|ed 236,5 gruntfesten, also stat ain hailig leben uf tugenden, aber alle tugent hǎnt ain uffenthalt von ainer rainer, luter mainunge, won si ist ain gruntfeste aller tugentriche werke.


8

[1] Nu ist etlicher menschen mainunge in diser welt und nit in gott, und die kumet von ainem verlaussem verlaussem gemuͤte und die ist unverfangen. [2] Es ist och andre mainunge, als werwer si in gott und ist doch nit in gott|ed 236,10 alz der glichsner mainunge. [3] Die hǎnt och kain rehte gruntfeste, wan si het ainen schine und nit ain blibende wǎrhait. [4] Es ist och ain andre mainunge in gotte durch dez lebenden menschen notdurft, und die begeret ainer narunge des libes von ainem verzagten missetruwen des gemuͤtes, daz der mensche zuͦ gotte het, daz er gott nit getrúwet ; die mainunge ist och boͤse. [5] Ez ist och ain mainunge durch ander sache denne durch gott und doch umb gott und in gott, als Martha sich uͤbte an unserm herren Jesu Cristo und doch nit in aller volkomenhait als ir swester Maria Magdalena, und die mainunge ist guͦt, won es ist ain uͤbend leben und bringet allen lǒne. [6] Aber die aller beste mainunge ist in gott, umb gott und durch gott, und die also geschiht, | (14va) die ist die aller loblichest und die beste und ist der taile den man erwellen sol und behalten und niemer abe lon. [7] Von dem sprichet Rabanus úber Moyses buͦch: Wenne daz gemuͤte ain mainunge hǎt nach zitlichen sachen oder eren oder nucze oder waz nit gott mainet, daz ist alles unfervangen. [8] Aber die mainunge, die sich aller frilichest und aller ledigest sin innenklichest in got zúhet durch gott allain, die ist itel guͦt und gancz. [9] Und sant Bernhardus sprichet in dem buͦch von den zehen gebotten: Reht mainunge sol in minne geborn werden, und sol in allen sachen die warhait erwelt werden; und wa ir der zwaiger dinge ains abe gǎt, so ist die mainunge falsche. [10] 'Mit guͦter mainunge solt du den herren|ed 236,15 Jesum Cristum hailigen in dinem herczen', sprichet sant Petrus in siner epistel und leret uns von guͦter mainunge also, das wir alle ainmuͤtiklich betten súllen, nit ledig sin súllen, brúderlich minne halten súllen, erbaͤrmede, messekait, demuͤtikait volbringen soͤnt, niemant úbel wider úbel tuͦn noch fluͦchen wider fluͦchen tuͦn súllen, aber allen menschen wol sprechen und nieman úbel, die zungen zwingen von boͤsen|ed 236,20 worten und die lefczen von allem falsche, und entwichen allem boͤsen und daz guͦt uͤbende, fride suͦchen und fride volgen, nieman fúrhten denne gott, und alle dinge liden durch der gerehtikait willen. [11] Dis alles leret uns | (14vb) sant Petrus. [12] Volgest du im, so maht du kain boͤse mainunge niemmer gewinnen.


9

[1] Ain luter mainunge, als sant Bernhardus sprichet, ist, daz man in allen werken suͦchen sol gottes|ed 236,25 ere und lobe und den nucze dez naͤsten mit ainer guͦten consciencie. [2] Die glose úber sant Matheus ewangelio sprichet: Als vil guͦtes tuͦt der mensche, als vil er guͦter mainunge het und als vil boͤses volbringet der mensche, als vil er verkerter und boͤser mainunge het. [3] Won alle werke werdent guͦt von guͦter mainunge und boͤse werke werdent ǒch boͤse von boͤser mainunge. [4] Es sprichet sant Bernhart: Ain guͦt werke wirt verhoͤnet mit ainer|ed 236,30 boͤsen mainunge, aber ain boͤses werke mag die guͦten mainunge nit entschuldigen. [5] Und sant Ambrosius sprichet úber sant Lucas ewangelium: Ain ende der mainunge ist daz werke, aber ain anvange dez werkes ist die mainunge. [6] Und also vahent sich an und endent ǒch sich alle werke in mainung und darumb so hab ain guͦt mainunge in allen dinen werken, so moͤgent die werke nimer boͤse werden.


10

[1] Zuͦ der guͦten mainunge und consciencie lere ich|ed 236,35 fúnfter alte dich, minnende sele, hǎn ain goͤtlichen willen, darusz ain guͦt consciencie und mainunge geborn wirt, und ǎne den sú beide nút entǒgent noch | (15ra) verfangen sint, wan der guͦt wille machet alle werke guͦt und gott lobelich und dem menschen lǒnber und núcze. [2] Und da von sprichet Richardus in dem buͦch von dem Benjamin: Ze allen goͤtlichen gaben, die da gehoͤrent zuͦ der ewigen selekait, so ist ain anevang und ain beginnen die gabe|ed 236,40 'guͦter wille', mit dem und durch den daz goͤtlich bilde und gelichnusse in uns widerbraht wirt. [3] Und waz der mensche tuͦt und wúrket, daz mag nit guͦt sin, es gange denne us ainem guͦten willen; und was us ainem guͦten willen geschiht, daz mag nit boͤse sin. [4] Aber ǎn ainen guͦten willen so mag die sele nit behalten werden, noch mit guͦtem willen mag si nit verderben. [5] Es mag ǒch kain wille guͦte sin noch frúchtbaͤre werke volbringen denne der wille allain, der sich glichet goͤtlichem willen|ed 237,5 in allem sinem wúrken. [6] Won goͤtlich wille wil alle zit guͦt wúrken und mag niemer úbel wúrken. [7] Wer aber sinen willen dem goͤtlichen willen gelichet, der mag niemer boͤse consciencie gewinnen und hette alle zit guͦt mainunge. [8] Davon sprichet Anshelmus in dem buͦch von der megtlichen emphahung: Alles, daz wir wúrken, es sig guͦt oder boͤse oder wie die werke genant sint, daz sol|ed 237,10 man alles dem willen zuͦ| (15rb) legen, us dem es gewúrket ist und wirt, won der wille ist aller werke ain ursach. [9] Darumb sol sich des menschen sin und wille gelichen gottes willen, der willenclich uns geborn het durch sinen willen, daz wir wúrden sin creature. [10] Ist aber dez menschen wille von gottes willen geschaiden, so mag der mensche niemer fruhtber werke wúrken, noch ane goͤtlichen willen vermage|ed 237,15 er nit noch nieman kain werke volbringen, und also ist dez menschen werke ain arbait ǎn alle frúhte. [11] Davon so sprichet Jesus Cristus in dem ewangelio: 'Der da tuͦt den willen mines vatters, der kumpt in daz himelriche.'


11

[1] Waz aber der wille gottes sige, und wamit man in volbringen múge, und wamit unser wille gottes willen gelichet muͤge werden, daz leret |ed 237,20 Ciprianus úber daz pater noster zemalezemale aigenlich aigenlichund sprichet, daz der wille gottes ist, den Jesus Cristus selber geleret und volbraht hat, daz man soͤlte halten diemuͤtikait in wandel, stetikait in geloben, schemekait in worten, gerehtikait in werken, erbarmherczikait in getaͤtten; zúhtigin sitten, nieman kain unreht erzaigen, widerdriesse gedulteklich liden,|ed 237,25 mit allermenglichem fride alle zit halten, gott von allem herczen liep hǎn, gott minnen, daz er der ewig vatter ist, in fúrhten, daz er got ist, fúr Jesus Cristus nút seczen, wan er úns geminnet het fúr alle dinge, Cristum | (15va) minnen unschaidenlich an haften und kleben und sinem liden sterklich aͤn underlǎsz by stǒn. [2] Dis alles ist der wille gottes. [3] Wer den erfúllet, der gewinnet daz ewig leben. [4] Jesus Cristus sprichet in dem ewangelio: 'Ich bin nit von dem himel komen, daz ich minen willen volbringe, sunder|ed 237,30 den willen mines vatters. [5] Und dis ist mines vatters wille: Der an mich gelobet, der besiczet daz ewig leben, und ich erkúke in an dem jungsten tag.' [6] Ez ist aber dem menschen gar herte und swere ze volbringent den willen gottes, die da sint in untugenden, in úpikait, in zorne, in nide, in hasse, in zitlicher begirde und flaischlichem geluste, in abergeloben, in toͤtlichen schulden. [7] 'Won kain boͤser bǒme mag guͦt fruht bringen', sprichet unser herre|ed 237,35 in dem ewangelio. [8] Augustinus sprichet ǒch von den worten der zwelf botten: Wenne der wille nit me verfahet, so wil der mensche ainen guͦten willen hǎn, so ist er versumet. [9] Aber die wile er wol mag, so wil er nit ainen guͦten willen hǎn. [10] Het er joch wol ainen guͦten willen, so wil er in nit in den werken volbringen noch volfuͤren, und also verhoͤnet ain boͤser wille ain guͦt vermugent und och guͦte werke. [11] Ainen guͦten willen gewinnet man mit inflúsiger genade und mit vil verdieneter minne und mit vil geuͤbter tugent und mit | (15vb) vil grossen stritten wider die untugende. [12] Der daz volbringen kan, der gelichet alle zit sinen willen goͤtlichem willen und volbringet guͦte werke. [13] Won es sprichet unser herre in dem ewangelio: 'Min spise ist, das ich volbringe den willen mines vat|ed 237,40ter und vollefuͤre sinú werke.'


12

[1] Waz du wilt in guͦten werken und doch nit volbringen maht, daz scheczet got von dir, als were ez geschehen, sprichet Jeronimus zuͦ der Jungfrowen Demetriades und hillet mit im Augustinus in siner buͦch ainem. [2] Aber es sprichet Gregorius in ainer omelie úber daz ewangelium: Es kan noch mag gott nieman herlicher gabe opfren denne ainen guͦten willen. [3] Und sprichet denne fuͤrbas also: Daz ist ain guͦter wille, daz der mensche erschreken sol ab der widerwaͤrtikait sines naͤsten als sines selbs und sich erfroͤwen sol sines nesten saͤlde als sinens aigen gelúkes und froͤ|ed 238,5mder lúte schaden als sinen schaden scheczet und ander menschen núcze als sin nucze prisen, den frúnde nit durch der welte willen sunder durch gottes willen minnen, ainem ieclichen menschen vertragen, dez du wilt erlǒn sin, ainem | (16ra) ieclichen des guͦten gúnnen, des du selber begerest, zehant allen gebresten dinem naͤsten bessern mit erzögung, werke und willen, als vil du vermaht. [4] Dis ist alles der beste wille, den da gott fúr daz aller beste opfer scheczet von ainem ieclichen menschen. [5] Ǒch sprichet Augustinus in dem buͦche von der waren goͤtlichen zuht:|ed 238,10 Daz ist zemale ain guͦter wille, daz der mensche begert mit allem flisze wol und rehte und schlehte und erberclichen ze lebende und zuͦ der hoͤhsten wiszhait ze komende. [6] Wan damit wirt der mensche ze goͤtlichen sachen geordnet und geschiket, wenne er den goͤtlichen willen fúrseczet und priset fuͤr menschlichen willen und darusz lebet nach dem aller besten. [7] Es sprichet och Hugo von dem closter der sele, in úbernaturlichen kreften und in den dingen und sachen, die zuͦ gott gehoͤren: Wenne der wille wil, daz er vermag, so ist er ze|ed 238,15 roͤmende. [8] Und wenne der wille wil, daz er nút vermag oder me denne er vermag, so ist er ze lerende und ze wisende. [9] Wenne aber er nit wil, daz er wol mag, so sol man in erweken und raiczen und strǎffen. [10] Es geschiht | (16rb) vil, wenne man den willen nit noͤttet, so wirt er vergailet; und wenne man in nit weket und stupfet, das er als vergessenlich wirt, daz er sich des guͦten sumet und sich dem boͤsen|ed 238,20 ergit.


13

[1] Us der lere so merke wol, du minnende sele, wie gar úber alle mǎsse núcze ist, ze allen loblichen werken hǎn ain luter consciencie und ain rain mainunge und ain edeln goͤtlichen willen, als ich dich fúnfter alte gewiset han. [2] Volgest du mir, so beraitest du dir selber ainen guldinen trone in dem ewigen leben herlichen.


Zitierhinweis

Der fünfte Alte. In: Otto von Passau digital, hg. im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Lydia Wegener, Elke Zinsmeister, Jens Haustein und Martin Schubert (2018-2022). Berlin. 03.03.2023

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