Editionskriterien

Der zehnte Alte

Leithandschrift
Ka1 Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. St. Georgen 64
Kontrollhandschriften
Ka2 Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 241
Ka3 Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 242
St3 Stuttgart, Landesbibliothek, Cod. theol. et phil. 2° 144

Der zehnte Alte


1

[1] Der zehende alte der leret von cristam globen.


2

[1] | (34rb) Koͤnde ich zehender alte dich, minnende sele, wol geleren, wie gar guͦt und núcze und och notdúrftig ist ze allem seligem und hailigem leben und goͤtlichen werken vestenklich hǎn und halten den cristan glǒben, daz wolt ich gerne tuͦn. [2] Won ǎne cristan globen mag nieman behalten werden noch gott wol gevallen, ǎne den och alles wúrken gaistlich unde liplich tode ist. [3] Won ez sprichet Ambrosius von Kaym und von Abel: Cristan globe ist ain wurczel aller tugende. [4] Und waz man uf daz fundament buwet, daz wirt allain volbrahte in fruhtbaͤren werken und tugenden nach dem ewigen | (34va) lǒne. [5] Und darumb so lere ich dich, minnende sele, daz fundament und seligrich gruntfeste des hailigen geloben ze haltende durch dez willen, daz der ewig vatter von himelrich sinen aingebornen sune Jesum Cristum gesant het in dis welte, das er úns den geloben leren und predigen soͤlte, den er in siner vatterlichen wishait also versehen hett, daz wir solten durch in behalten werden.


3

[1] Cristan globe der ist der aller erst underwurfe, da mit die sele sich gott undertaͤnig machet. [2] Es sprichet Augustinus in dem buͦche von dem jungsten hinzuge: Wan gott erkennen in dem globen ǎne alle irsalung und gott leben nach dem geloben ǎne versumunge machet den menschen selig. [3] Es sprichet och unser herre in dem ewangelio: 'Dergelobet und getǒffet wirt, der wirt behalten. [4] Der aber nit gelobet, der wirt verdampnet.' [5] Und sprichet och ze Marien Magdalenen: 'Din globe het dich behalten.' [6] Und zuͦ Martha sprach er ǒch: 'Gelobest du, so wirst du sehen die guͤnlichait gottes.' [7] Sant Paulus sprichet, daz der globe ist ain substanci der versehenen ding | (34vb) und ain wisunge mit schiniger sache. [8] Daz ist also ze verstande: Gelobe ist ain gelobunge der dinge, der man nit siht und man sich ir doch versiht; oder also: Gelobe ist ain gruntveste goͤtliches buwes, daruf man buwet hie in zit gnade und minne, darumbe man sich versiht in ewekait guͤnlichait; und ist die erst wise und anfange aller tugent, won der gelǒbe naiget und búwet die vernunfte ze globen, daz die sinne nit múgent begriffen, und darus wachset dem menschen alles sin verdienen. [9] Wan es sprichet Gregorius, das der globe nit lǒnber ist, da menschlich wisunge het ain empfinden. [10] Aber Augustinus spricht: Gott vermag gar vil, das doch menschliche vernunfte weder begriffen noch verstǎn mag. [11] Es ist ze male notdurftig zuͦ dem geloben, daz wir daz geloben, daz gott wol vermag und daz des menschen beschaidenhait nút enphahen enmag, won es denne gott alsus wil hǎn und nit anders. [12] So sol sich der mensche darinne laszen und sich gott und dem cristan globen gar bevelhen, daz der der | (35ra) mensche alle sine guͦte werke út verliere.


4

[1] | (35rb) Cristan gelobe ist erdaht und funden in der hailigen drivaͤltikait und bekúndet von Gabriel, dem engel, unser frowen Marien in allen den artikeln, die wir geloben súllen in der menschait Jesu Cristi und gewissaget sint durch die propheten, geprediget durch alle die waͤlte von den hailgan zwelfbottan, besteteget mit Jesu Cristo und mit aller marterer liden, geruͤmet durch bischoͤffe und bichter, gekroͤnet mit den jungfrowen und megden und gezieret mit aller der welte. [2] Darus redet Augustinus in dem buͦche von den worten dez herren und spricht: Es ist kain richtuͦme noch schacze groͤsser noch kain hort besser noch kain ere diser welt herlicher, denn cristan gelǒbe sige, won er behaltet die súnder und erlúhtet die plinden und hailet die siechen. [3] Die betruͤbten troͤstet er, die boͤsen rehtvertiget er und widerpringet die rúwer. [4] Die hailgen meret er und schaffet fruht in himelrich und uff erden.


5

[1] Dis alles so hǎn ich zehender alte an gesehen, daz der guldin trǒne der minnenden sele gezieret anders nit werden mag nach allem volkomen leben ǎne cristan geloben, den ich dich, minnende sele, leren wil mit ernste. [2] Wonmit dem geloben het gott gepflanczet dis welt durch sinen aingebornen sǔn Jesum Cristum, da mit der mensche | (35va) daz ewig leben mag beschowen in allem wollúste und got sehen von antlút ze antlút, also Johannes schribet in siner 'Canonie episteli'. [3] Augustinus sprichet in dem ersten buͦche von der drivaͤltikait: Der spitz dez menschen gemuͤtes mag in die úberswenkait goͤtliches liehtes nút gekert werden denne durch cristan gelǒben. [4] Och so sprichet Bernhardus úber der minne buͦche: Won der mensche mit kainan dingen gott vinden mag, weder mit vernunfte noch mit nature noch mit sinnen noch mit creaturen, so vindet er in mit gelǒben und behebet in mit geloben, bis er alle ding mit im bestettiget und beschlusset in geloben.


6

[1] Es ist weder naturlichen sinnen noch menschlicher vernunfte noch creatúrlicher verstandikait zuͦ ze legende, das ich zehender alte dich leren wil, minnende sele, vongeloben ze haltent in blosser gothait. [2] Aber goͤtlichen sprúchen und úbernaturlicher warhait ist darinne ze volgent, das ich dich leren wil, daz du ernstlich von allan dinan kreften und von allem gemuͤte geloben solt, das nuͦn ain got ist und allain ist und kain andrer nie wart noch werden mag noch niemer wirt den haiden, den juden und den cristan und ander, die in dem geloben sint, als Augustinus bewer| (35vb) et von Aristotiles und Plato, sinem maister. [3] Den gott solt du geloben ewig sin, almehtig sin und unwandelber sin unde unzerstoͤrlich, ǎne abnemen und zuͦnemen, allezit gelich, us im noch in im noch ǎne in kain ander sin. [4] Gelob den gott ǎne allen gebresten und mit aller clarhait und suͤssikait und lobe und luste nach sinem adel me gezieret, denne hercze kúnne betrahten, vernunfte begrifen, zunge vol reden, munde us gesprechen und aigenlich vermúgen erkennen - daz ist der gelobe, den gott an úns selber aischet. [5] Bernhardus sprichet úber der minne buͦche: Den gott solt du geloben nach Athanasis lere, daz er ainvaͤltig ist nach der gothait und doch drivaͤltikait nach der personen. [6] Vatter und sune und hailig gaiste solt du endlich geloben ain gott sin und nit dri goͤtt, und solt dri persone geloben gelich ewig, gelich almehtig, gelich schoͤpfer, gelich behalter, und daz weder vor noch nach, anevang noch ende in die dri personen gevallen nút enmag. [7] Du solt dich och nit ze vil noch ze subtile noch ze tieffe ergrúnden von dem globen | (36ra) der goͤtlicheit, also daz du es nit verstǎn, es nit begriffen moͤgest, won in soͤlicher wise solt du dich gottlicher vermúgent empfelhen und dich der zuͦversiht gottes gar und gancz ergeben. [8] Won es seit Cassiodorus úber den salter, daz der goͤtlich gloub ie me und ie me wahset in dem menschen, als sich der mensche ie me lǎt sines sinnelichen empfindens. [9] Won es sprichet Augustinus úber daz ain buͦch der woͤrter: Des herren zuͦversiht wirt nit erfroͤwet in dem ewigen vatter lant, da der glǒbe hie in dem wege mit zuͦversihte nút gestúret wirt.


7

[1] Du solt och globen in gott, sprichet Ciprianus úber den globen, daz ist, daz du in in dem geloben minnen solt und mit globen in in gǎn und sich in in verliben und ains mit im werden. [2] Och solt du gottes worten geloben, wan nút also wǎrhaft ist, als die wort, die gott selber geredet hǎt. [3] Von sinan worten erschrekent die boͤsen gaist. [4] Och solt du geloben, daz gott sie aller dinge ain uffenthalt, ǎne zwingen guͦt, ǎne begriffenlichait grosz, ǎne notdurft schepfer, ane bistan gegenwúrtig. [5] Gelǒb och, das er ist ǎn statt allenthalben gar und gancz, und mit zit, us zit, ǎne alles zit und machet | (36rb) alle wandelbere dinge ǎne alle sin bewegunge und bruchenlichait. [6] Davon redet Peter von Raven in ainer predige und sprichet: Der mensche hett gott, der gott geloͤbig ist und sin vergiht, daz er alle ding vermag und vil me vermúge, denne ieman verstǎn kúnne. [7] Und darumb, spricht die glose úber Matheus ewangelium, wer in inwendikait sines herczen mit minne bevindet goͤtliches geloben, der belibet uswendig in goͤtlichen leben unbetrogen. [8] Und darumb, als Crisostonus der guldin mund spricht úber den geloben, daz goͤtlich gelob ist ain lieht der sele, ain túre und ain porte des ewigen lebens und ain gruntfesti alles hailes. [9] Der globe altet nút und sin gaistliche zuͦtettikait wirt niemer vermuͤdet noch urdrúczig.


8

[1] Ich, der zehende alte, lere dich, minnende sele, darnach geloben in die zarten minnerichen menschait Jhesu Cristi, der von im selber gesprochen hett: 'Der in mich gelobet, us des libe fliessent die baͤche dez lebenden wassers', und maint er da bi den hailgen gaiste, den sú enpfahent, die in in gelobent. [2] Er sprichet och an ainer anderen statt in dem ewangelio: 'Die an mich glǒbent, die tuͦnd die zaichen, die ich tuͦn, und noch groͤsser.' [3] Disen hailigen globen gelǒbten die vaͤtter der alten ee. [4] Sú gelobten in und predigeten in, als wir nuͦn tuͦn in der núwen ee, als | (36va) Augustinus beweret úber sant Johans ewangelium und sprichet in ainer predige also: Wir geloben in der núwen e also, daz unser herre mensch soͤlte werden und ǒch worden ist und von ainer maͤgde geborn ist, gemartret ist, erstorben ist, erstanden von dem tode ist, ze himel gevaren ist. [5] Also ze gelicher wise gelǒbten dis alles die gerehten und hailigen vaͤtter der alten e vor Jesu Cristi gebúrt, daz gott in menschlich natur kúnftig waz und von ainer luter maͤgtde solt geborn werden, gemartret werden, ersterben und von dem tode wider erston und mit siner menschait ze himel varen. [6] Des gelobten si alles in der alten e, daz es geschehen soͤlt, als wir nu geloben in der núwan e, daz es geschehen ist. [7] Und darumb sint die juden nu betrogen, das sú anders gelobent, denne ir vaͤtter mit grosser hailikait gelǒbten in der alten e. [8] Dis sprichet alles sanctus Augustinus und bewaͤret es herrlich mit den hailigen propheten. [9] Und mit sant Augustinus so hillet Hugo de sancto Victore in dem buͦch von den súben sacramenten in alle wise und sprichet fúrbas also, das von angende der welt die gerehten menschen ie und ie gelobet hand, daz ain gott si, der aller creaturen herre und schoͤpfer ist und ain ordner und usrihter | (36vb) aller dinge. [10] Und er ist kain ursach des boͤsen. [11] Und wer úbel und unreht ie getet, der ruͦft in an als ainen kúnftigen erloͤser, als wir in nun an ruͤffen als ainen behalter. [12] Und daz sol billich aller menglich raiczen zuͦ cristam geloben.


9

[1] Es sprichet ǒch Richardus in sinem buͦch von der drivaͤltikait: Ich wúnsche und woͤlt, daz alle juden, haiden und alle unglǒbig lúte erkanten, markten und bruͦften, wie mit gar grosser sicherhait und consciencie wir mit cristam geloben moͤhtin gestǎn vor dem ewigen rihter und zuͦ im sprechen mit aller keckait und geturstikait: 'Herre gott, ist únser gelobe irresalunge und ain betrúgnússe, so sien wir von dir betrogen. [2] Won daz du, herre gott, mit zaichen und mit wundern in úns bestetiget hest und von niemant anders beschenhen moht, denne allain von dir, daz gelobent wir, also du durch die aller hailigesten und groͤsten gewúrket hest mit worten, werken, in zaichen und wundern, die in nach volgeten in dinem namen.' [3] Und merke es wol, won es ist ain gross bestettunge des gelǒben, der den spruche reht verstat. [4] 'Der aber | (37ra) als vil gelobens het, als ain semfkoͤrnlin gros ist, der seczet ainen berg uf den andern', sprichet Jesus Cristus in dem ewangelio. [5] Es sprichet och Seneca: Da der hailig gelǒbe aines guͦten menschen herczen besiczet, da wirt nieman mit betrogen und mag och nieman sinen lǒn verlieren. [6] Wer aber den glǒben verlúret, der verlúret daz beste guͦt, daz er gelaisten mag.


10

[1] Du solt och geloben von Jesu Cristo, dazer ist ain geborn liehte von dem ewigen liecht und got us gott geborn ist und nút gemachet. [2] Und darumb, do die zwelf botten unsers herren von dem hailigen gaiste erfúllet wurden, do saczten sú zesamen mit allem flisse die zwoͤlf stuke des geloben als die zwelf fundament, daruf gott die hailigen cristenhait wolt seczen und buwen also, daz kain selig leben vervangen nit ist, der die stucke nit behaltet, und touget och ain stuke ǎne daz ander nút, won man sol sú gelich geloben mit allem herczen. [3] Won es sprichet Athanasius: Der ir vergiht und sú gelobet und sú behaltet, der wirt ewiclich behalten. [4] Der aber des nit tuͦt, wie guͦt sin leben ist, so | (37rb) muͦs er verdampnet sin. [5] Och solt du globen zwo nature in unserm herren Jesu Cristo - ain in goͤtlicher nature geborn von dem ewigen vatter, die ander in menschlicher nature geborn von siner lieben muͦtter Marien -, und ist doch darumb nút zwai dinge; er ist ain sune Cristus Jesus in den baidan, sprichet Athanasius und alle lerer mit im in goͤtlicher kúnste. [6] Davon, so sprichet Bernhardus in ainer siner predige, gelobe in Cristum, so hest du Cristum funden, won wol geloben ist vinden. [7] Suͦchen Cristum mit rehtem andaht ist gar guͦt, aber im nach volgen mit guͦten werken ist noch besser, aber in vinden in starkem geloben ist daz aller beste. [8] Waz du von gott gelobest, daz solt du in minnenrichen und gnaderichen werken endelich erzoͤgen. [9] 'Won gelobe ǎne werke ist ain tote sache', sprichet die hailig geschrifte. [10] 'Es ist och unmúglich,' sprichet sanctus Paulus in siner epistel, 'daz man gott ǎne geloben wol gevallen múge'. [11] Won es sprichet Jhesus Cristus: 'Der in mich gelobet, der stirbet ewiclich nit und gewinnet daz ewig leben.'


11

[1] Du solt och von mir zehenden alten wiszen, daz du dich, minnende sele, huͤten solt mit allem flisse vor ungeloben, die wider gott sint und wider die hailigen geschriffte und wider goͤtlich gebotte und wider die geseczte der | (37va) hailigen cristenhait - es sie zobrie oder lúppeli oder kainerlaige zipe r, wie es genant sie -, in kainer wise in boͤsen segenen mit figure, mit karachter, mit ungewonlichen briefen by dir ze tragent oder mit krúter und wurczelen oder mit ander boͤser wise, der vil ist, die geschenhen moͤhten von dez boͤsen gaistes gespaͤnste. [2] Won soͤlich ungeloben bringent den ewigen tode und zerstoͤrent alles guͦt hailig leben und kument och davon vil kaͤczerien und ander boshait, darumb der mensche ewiclich verdampnat wirt. [3] Huͤte dich vor soͤlichem ungeloben, won sú sint vol giffte. [4] Won es spricht Augustinus in dem buͦche von der waren unschulde, daz soͤlich ungeloben und zobrie gar grosz todsúnde sint, die gott groͤslich und swarlich richet und och gerochen het in der alton e fúr ander súnde, wan guͦter gelobe ist allaine von dem hoͤchsten guͦt, darinne alle warhait beschlossen ist und goͤtlich erkennen verborgen ist.


12

[1] Waz man anders gelobet, denne ich dich, minnende sele, vor her zuͦ han geleret, daz ist alles wider got. [2] Aber nu sol ich dich wisen, waz zuͦ ainem rehten ganczen volkomen geloben gehoͤret.


13

[1] Es gehoͤret ze rehtem geloben, daz man der aller ersten wǎrhait sol ane | (37vb) haftan und sú benúte lǒn. [2] Sunder sol ǒch der mensche in ganczer minne geformet sin und in aller gnade begirlich sin ze dem geloben und vil andahte und ernste darzuͦ han. [3] Man sol es och in den werken erzoͤgen und sol och stark und kreftige sin in dem geloben, also daz er kaine widerwaͤrtikait noch pine noch marter fúrhte und e den tode liden soͤlte und woͤlte, e er von cristam geloben woͤlte entwichen. [4] Und solt gehorsam sin und diemuͤtig sin in allan den sachen, die zuͦ cristam geloben gehoͤrent. [5] Und davon sprichet sanctus Bernhardus und Anshelmus: Din gelobe sol nit tod sin, also daz er sie ǎne alle guͦte und núcze werke. [6] Er sol och nit gestifftet sin noch betrogen sin, daz du ain wile gelǒbest und die ander wile und stunde ǎne gelǒben belibest. [7] Din gelobe sol stette und vast werent sin, also waz du in minnen hest angevangen ze gelobende, daz du daz ewiclich wellest behalten. [8] Och sprichet babst Leo in ainer predige von der vasten: Minne ist ain sterki des geloben, ǎber der gelobe ist ain sterke der minne. [9] Die minne ist ain krafft | (38ra) des geloben, aber der gelobe ist ain solich verstricket bant in in baiden, daz ains ǎne daz ander nút gefrúhten mag. [10] Beda sprichet in dem buͦch von Salomones tempel: Der maister git ym selber ain úpig ampte, der cristan globen nit verstǎt. [11] Er zerstoͤret ǒch alles guͦt leben, der cristan globen nit uͤbet. [12] Rabanus sprichet úber Matheus ewangelium: Es koment vil menschen ze geloben, die doch nit kument zuͦ dem himelrich, darumb daz sú den globen haltent in worten, den sú doch nit erzoͤgent in den werken.


14

[1] Das dir, minnende sele, cristan gelobe dester basz liebe und gevalle, so merke, waz Johannes Crisostimus der guldin munt sprichet in ainer predige von der vasten: Cristan gelobe ist aller hailikait ain fundamente und aller goͤtlichen minne ain bant und goͤtlicher liebe ain gehilfe und uffenthalt. [2] Der globe bestaͤtiget alle hailikait und kreftiget maͤgtlich rainkait und zieret alle wirdekait. [3] In kinden schinet sin lǒbe, in jungen bluͤget er, in gewahsonen lúten ist er maͤhtig, in alten bestaͤtiget. [4] Er behuͤtet den menschen und ist armen und richen núcze. [5] Glǒbe | (38rb) machet frúnde und grosz kunste und versmahet niemant und behaltet gottes gebotte alle und bringet dem menschen ewig leben. [6] Behalt guͦten geloben, so besiczest du den guldin trone ewiklichen.


Zitierhinweis

Der zehnte Alte. In: Otto von Passau digital, hg. im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Lydia Wegener, Elke Zinsmeister, Jens Haustein und Martin Schubert (2018-2022). Berlin. 03.03.2023

URL: https://otto-von-passau.de/chapter-detail.html?id=O5475574. Abgerufen am: 22.09.2023.