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Der zwölfte Alte

Leithandschrift
Ka1 Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. St. Georgen 64
Kontrollhandschriften
Ka2 Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 241
Ka3 Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 242
St3 Stuttgart, Landesbibliothek, Cod. theol. et phil. 2° 144

Der zwölfte Alte


1

[1] Der zwelfe alte leret von únser frǒwen sant Marien, voran von irem lobe und von allem irem leben und irem ende und von uffart, die si ze himel tet, und ir frǒden, die si ze dem himelrich het.


2

[1] Marien hailiges leben ist alz gar grǒss und úberswenkig und herlich und us aller msz maͤsz wirdig úber alle creature, daz ich zwelfter alte dich, minende sele, darin keren wil, alz si got darzuͦ erwelt het, daz si den trone besiczen soͤlt, darinne got mit aller siner maht in goͤtlicher nature wonen wolt und us der und von der er mit aller kraft sin menschlich nature nemen wolte, daz ǒch du, minende sele, gelich wúrdest ain erwelter trone gottes mit der gezierde rainer und hailiger unschuldekait.


3

[1] Maria , gottes muͦtter, ist die aller edeleste creature, daran got allain soͤlich úberflússikait geleit het, daz si úbertreffenlich gottes muͦter werden solt, daz sich ir nieman gelichen mag. [2] Si ist ain kaiserin alles himelriches, ain kúngin aller erbermde, ain frǒwe aller welt, ain fúrstin aller maͤgde, ain gezierde aller frǒwen, ain widerbringerin alles menschliches geschlehtes, ain hort und ain hail aller der welte, ain voͤgtin und gehilfe der súnder, ain trǒst der engeln, ain lobe der hailigen, ain usserwelte creatur und gottes selber ain gancze wol gevallerin. [3] Dem geliche sprichet Gangbertus an ainer predige von unser frowen uffart: Was man lobes von dir, Marien, gesagen mag, daz ist alles ain klain dinge wider daz, daz von dir ze sagen weͣre. [4] Gelich ich dich zuͦ den himelen, so bist du ungelicher hoͤher und wirdiger. [5] Sprich ich, daz du siest ain muͦter alles volkes, so úbertrifest du alle muͦttran, won du bist ain muͦter gottes und menschen. [6] Nemme ich dich ain forme gottes, des bist du wirdig. [7] Haisse ich dich ain frowe der engeln, daz gehoͤret dir billich zuͦ. [8] Waz ich dir lobes zuͦ lege, daz ist alles kain benuͤgen, won din wirdekait kan nieman vol ruͤmen, darumb daz du mit goͤtlicher erhoͤhunge, mit gnaden und eren erlúhtet bist, daz dich uf erden noch in himel nieman volruͤmen kan noch mag.


4

[1] Hie lere ich dich von dem ruͦme und lobe und prise únser lieben frǒwen sant Marien.


5

[1] Voran sol ich zwelfter alte dich, minnende sele, von dem ruͦme und lobe und prise, den Maria het fúr alles daz, daz ie wart und fúrbas werden mag, leren und wisen, dem nie gelich wart nach got und nach irem aingebornen sune Jhesu Cristo, [2] Won alles daz lob, daz ir zuͦ geleit wirt und ist, daz het si von dem stammen der gothait, zuͦ der und in die si neher gehusset het, denne kain creature ie geteͣte noch fúrbas getuͦn mag. [3] Won es sprichet Jeronimus in ainer predige von únser frǒwen: Waz lobe und ere und wirde únser frǒwe sant Marien geschehen mag, daz kan alz vil nit sin, es sie got selber geschehen. [4] Wer kan oder mag die wirdekait únser frǒwen us gesprechen, die got also geeret het, daz es nieman wol erdenken kan noch zuͦ ainem us sprechen gelúttern kan. [5] Were ǒch daz, daz sich alle únserin gelider in zunga verwandeleten, so kúndent noch moͤhtent daz lob und den ruͦme Marien nút us gesprechen, sprichet Aulbertus an ainer bredige von únser frǒwen, darumb solt du, minende sele, sprechen mit sant Anshelmus in ainem gebette von únser frǒwen Maria: 'Du bist die grǒs Marien, grsser an selekait denn alle creature. [6] Min hercz wil dich minnen. [7] Min munt begert dich ze rúmende, min begirde dich ze eren. [8] Min gemuͤt het luste nach dir. [9] Min sel wil dich anbeten. [10] Alle min substancie bevilhet sich dir. [11] Lǎs mich, min saͤlige frǒwe, geniessen der verdienten loblichen werke, die got mit grossem flise uf dich gelet het durch únsern willen, denne ieman bessers erwúnschen kúnde oder múge, won got het dich gemachet zuͦ ainer widerbringerin únsers valles, daz dir allain behalten ist.'


6

[1] Alexander Nekam úber den ymnum 'Ave maris stella' het gemachet ain buͦch von únser frǒwen, darinne er zesamen seczet manigvaltigen ruͦme und lobe, die die alt vaͤtter in ainem wunder von Marien gesprochen hand in der alten e, und sprichet also: [2] Es wundret von ir Adam, den ersten menschen, do er ǎne vatter und muͦtter mgtlichen mit gottes kraft von ertrich geformet ward. [3] Es wundert von ir Abraham, do im got gesegnet sinen samen, do von Maria und ir aingeborner sun solten geborn werden. [4] Es nam wunder von Marien Balaam, do er si gelichet ainem sternen, der von Jacob entspringen solt. [5] Moyses wundert von ir, do er sach den boschen brinnen und doch unverbúlfert belaib. [6] Aaron nam wunder von ir, do die ruͦte gruͤnat und bl~ͦute braht. [7] Es wundert Gedeon von ir, do im daz vel in durrem sannt towe und nesse erzoͤgte. [8] Es wundert von ir Davit, do er sprach, der here het in die sunnen geseczet sin tabernaculum. [9] Der wise Salamon het grǒs wunder von Marien an dem beslǒssen garten und gezaichnaten brunnen und helfenbainen trone in ainer figure von Marien bezaichunge. [10] Ezechiel het wunder, do er sach daz beslossen tor, da nieman solt durch gǎn denne allain der herre und solt eweklich beslossen sin. [11] Es wundert Daniel, daz ain stain ǎn hende abgesniten wart von ainem berge. [12] Es wundert Jeremias, do er sach im gaiste, daz ain frǒwe ainen man solt umbvahen. [13] Es wundert Ysaias, do er wissaget, daz ain maget solt enpfahen und geberen ǎne manlich hilfe. [14] Dis alles sprachent die hailigen alt vaͤtter lang vor únser frǒwen ze lobe, e si geborn wart. [15] Daz sprichet der und hillet mit im Bernhardus an siner bredige ainer von Marien.


7

[1] Es het ǒch wunder von Marien lobe und ruͦme ir himelscher botschaft werber her Gabriel, der engel, do er sprach: 'Gegrússet siest du vol gnaden; der her ist mit dir.' [2] Si wundert selber von dem wunderlichen werke, die got wurkent waz in ir, do si sprach in dem hailigen mangnificat: 'Der herr het angesehen die demuͤtekait siner dirnen und darumb so sprechent mir selig alle geschlehte.' [3] Es het ǒch Joseph ain wunder von ir, do er si wolt gelǎn hǎn, daz er sich ir nút wirdige dunkte, und doch darumb und darnach ir kint anbettet in ir schos und ǒch si alz ain gottes muͦtter. [4] Dis ist alles ain solicher grosser ruͦme von únser frǒwen, daz got allen propheten durch den hailigen gaist wolt geben ir lobe, ere, pris, ruͦme und wirdekait ze sprechen fúr alle menschen, die ie wurden noch fúrbas werden múgent.


8

[1] Maria ist ǒch me ze roͤmen fúr alle menschen, die von muͦtter und vatter libe ie geborn wurdent, darumb daz si got vor allen súnden behúten wolt, vor teglichen und toͤtlichen súnden und sunderlich von der erbe angebornen súnde. [2] Won es sprichet Augustinus in dem buͦch von der nature und gnaden: Wenne ich gedenke aller súnder, so sol ich Marien gedenken nút. [3] Es sprichet sant Anshelmus in dem buͦch von megdlichem enpfahen: Es ist billich, daz si glisse mit der aller groͤssten luterkait, die kain vernunfte under got betrahten kan. [4] Ǒch stat geschriben in der minne buͦch: 'Du bist ital schoͤne und ist kain mase an dir.' [5] Es sprichet Origenes úber sant Matheus ewangelio: Die muͦtter gottes waz unberúret und ungemaͤlget und unzerstoͤret. [6] Us den sprúchen allen nimet man, daz Marien erbe súnde nie beruͦrte noch kainerlaýge súnde, die ieman kan erdenken, wie si ǒch genant sind. [7] Were nun, daz die minneriche himelfúrste alz lang in erbe súnde were gesin alz ain ǒgen blicke, daz were ir schedlicher gesin, denne daz si tusent teglicher súnde getǒn het. [8] Won umb taͤglich súnde were si nút verdampnet worden, ob si darinne vervaren were, aber in erb súnde vervaren bringet den ewigen tode. [9] Es weren ǒch alle die lobe und ere falsche, die von ir volkomenen unschuldekait sagent, sprechent alle lerer, ob sú ie in erbe súnde gevallen were. [10] Und darumb so lere ich dich, minende sele, daz du sterklich geloben und fúr ware wissen solt ǎne allen zwifel, daz si erbe súnde noch teglich súnde noch kainerlayge súnde nie beruͦrte in kainerlayg wise, die ieman erdenken kan. [11] Und daz waz ir behalten von got allain fúr die grossen wirdekait, die si mit got gelich tragen solt, darumb got sunderlich von ir allain menschait enpfahen wolt, alz die lerer gewonlich von ir haltent. [12] Darumb singet die hailig cristenhait von ir hailige und ungemelgete megdlichait: 'Ich waiz, was lobes ich dir geben sol, won den die himel nút begriffen mugent, den hest du mit dinem libe umbvangen.' [13] Von dem lobe allem sprichet sant Anshelmus in ainem gebette: 'O du sunderliches wunder! Frǒwe, von diner wirdekait sind alle elemente ernúwert, die vorhelle entslossen, die boͤsen gaist vertreten und geflúhtigot, die menschen behalten, die engel erproͤwet und got geeret und du zu dir selber gehoͤhet, won du bist vol gnaden. [14] Und von dem úberflússigen diner gnaden so ist erkiket und sind lebendig worden alle creaturen und hand gottes segen von dir enpfangen, won von dir ist got mensche worden.'


9

[1] Hie lere ich dich von únser frǒwen geburt und warumb si genempt wart Maria.


10

[1] Von der edelen und seligrichen geburt únser frǒwen sant Marien sol ich zwelfter alte dich leren, minende sele, wie got mit allem sinem vermúgent allen sinen flisse daran legen wolt, daz sin gebererin daz aller edelste mensche werden solt in menschlicher nature, daz ie wart, darumb daz er selber menschlich nature von ir enpfahen wolt ǎne allermenglichs hilfe. [2] So fuͤget es sich billich und wol, daz si daz aller adellichest mensche wúrde, daz in dis welt ie kom. [3] Darumb so rechnat sant Matheus in sinem ewangelio, daz si kumen ist von vierzehen patriarchen und von vierzehen kúngen und von vierzehen herczogen und fúrsten. [4] Aber Lucas rechnat von Marien uf úber sich durch alle die alten ee bis an den ersten menschen Adam. [5] Und sprichet denne Lucas in dem ewangelio: 'Adam machet got selber', alz ob er sprech, alle die menschen, die ie wurdent, die machet got durch sin muͦtter willen und gab in allen adel und schirmet si vor aller frais, mit der si in der alten ee geplaget wurden alz lang, bis us ir aller samen die fruht Marien geborn wart. [6] Darumb so sprechent die maister in goͤtlicher kunst, daz Maria von rehtem naturlichem geschlehte und sipptaile ain erbe solt gewessen sin aller diser welt in allen zitlichen dingen nach ires sunes todes, Jhesu Cristi. [7] Von dem sinne sprichet Hildefonsus, ain bischǒf von Dolet, in dem buͦch von únser frǒwen, daz er nemmetnemmet 'Die hailig wonunge der gothait': [8] Gottes gebererin wart geborn von hailigen vatter und muͦtter alz die allerhailigest, von edeln kúngen und patriarchen alz die aller wirdigest, von den swangern alz die aller berhafftigest, won daz si in megdlicher rainkait got und mensche gebar, daz waz die groͤste, die edleste, die beste und nuczlichest fruht, die in disser welt ie geschah noch fúrbas iemer me geschehen mag. [9] Von dem adel irer natúrlicher geburte so leit man der himel kaýserinnen zuͦ personlich volkumenhait fúr alle engeln und hailigen und fúr alle creaturen, vil me denne menschen sinne múgent gedenken oder engelsche vernunft múg betrahten in alle wisse. [10] Si ist ǒch edel von irem vatter, der was von Nasareht, und von ir hailigen muͦtter, die was von Behtelahem, alz der hailig bischoff Fudelbertus beweret an der aller ersten predige, die von ir geburte ie gemachet wart und von irem geburtlichem hohczit daz aller erste ufsacze , und sprichet mit Damasteno : [11] Also si was von kúngen und von patriarchen und herczogen, also waz ǒch si geborn von propheten, von bischoffen und von den aller besten der ee. [12] Und darumb so kunt der engel Joachim und frǒwe Annen, daz si ain tohter soͤlten gebern und gewinnen, die got geberen wurde und ain mehtge gewaltigerin himelrichs und ertrichs werden soͤlt. [13] Dis sprechent alles die zwen und hillet mit in Beda.


11

[1] Do aber Marien gebúrtlicher tage der cristenhait lang verborgen was gesin, da offenten in die hailigen engel mit loblichem gesang der welt ze ainem gelúgge und trǒste, also daz mit ir adenlichen geburt goͤtlich majestat den menschen solt geoffenet werden, mit ir rainkait únser súnde solt vertilget werden, mit ir gnad únser gnad solte verdienet werden, mit irem hailigem leben únser toͤtlich leben soͤlte getoͤtet werden, mit ir frighait únser zwungenhait solt entschlagen werden, mit ir frúntschaft únser vientschaft solt gefridet werden, mit ir haimlichait únser ellend solt verwandlet werden, mit irem verdienen únser verdampnúst solt zerstoͤret werden, mit ir tugent únser untugende solt vernihtet werden, mit ir suͤssekait únser menschait solt got genem werden. [2] Von den sachen allen so was ir geburte edler und wirdiger denne kaines menschen geburt ie wart noch fúrbas werden mag bis an den jungsten tag, alz úns cristenliche warhait leret. [3] Davon sprichet Johannes Crisostimus der guldin munt úber sant Matheus ewangelium: [4] Der von ainem edelen geschlehte cleͣrlich geborn wirt, die clarhait wirt groͤsseclich gemeret, also ist die geburte geklaͤeret in himelrich und uf ertrich. [5] Von diser hailigen geburte sprichet der bischoff Fulbertus von Cornet an der vorgeschriben predige, daz alle engel billich froͤde han súllent von Marien geburte, won es ist ain ende und ain zil und ain volbringen aller volkomenhait. [6] Sich soͤnd ǒch froͤwen alle patriarchen, won si ist ain ursprung und ain grunt festú aller saͤlikait. [7] Sich soͤnd ǒch froͤwen alle bischof, won si ist ain forme und ain regel alles hailigen wandels. [8] Sich soͤnd ǒch billich froͤwen all propheten, won si ist ain bilde tragerin klarer offenunge. [9] Sich froͤwent ǒch billich die hailigen zwelf botten, won si ist ain durchlúhterin cristenlicher gothait. [10] Sich súllent ǒch froͤwen die martrer, darumb daz si worden ist ain aͤrczenie und ain hailung aller siechtagen. [11] Sich froͤwent ǒch billich alle bihter und lerer, won si ist daz himelbrot goͤtliches schowens. [12] Es súllen ǒch sich froͤwen alle jungfrowen und maͤgt, darumb daz si solt werden ain úbertreffender usbunt maͤgtliches lones. [13] Alle dise welte sol ain froͤde hǎn von ir edlen geburte, darumb daz si ain muͦter aller erbermde und ain mitlerin zwúschent got und den menschen worden ist. [14] Got hǎt selber ain wolgevallen an ir geburte, won er si von ewekait darzuͦ erwelt het, daz er von ir menschlich nature enpfahen wolt und si da mit erhoͤhen úber alle creaturen und si machen wolt ain kúnigin und ain kaiserin himelrichs und ertriches. [15] Daz sprechent der ander lerer vil mit im.


12

[1] Daz aller erst wort, daz got us im selber ie gereit, daz sprach er von Marien geburte an dem ersten buͦche Moysi: 'Es werde ain lieht.' [2] Do wart ain liehte und schied got daz liehte von der vinsterin und bezaichent, daz Marien geburte in hailikait aller menschen geburte ǎne ende verre und vil úbertreffen soͤlt. [3] Dar us redet sant Bernhardus und sprichet: Maria was e hailig, e si geborn wart. [4] Es singet ǒch die hailig cristenhait von ir: 'Von ewekait bist du ain fúrsehen vas und gezaichet, us geschnitten mit der hant goͤtlicher wishait.' [5] Der wise her Salomon sprichet in ir persone: 'Von dem angenge und vor der welt so bin ich geschaffen, und bis z~ͦu der kúnftigen welt so zergǎn ich nit, und in der hailigen wonunge hon ich vor im gedienet.'


13

[1] Es sprichet Jeronimus an siner buͤcher ainem, daz Marien vatter und muͦtter alz gar hailig wurden, daz si ain drittail alles guͦttes gabent durch got armen lúten, den andern drittail opfertent si zuͦ der gezierd des tempels got ze eren, und us dem drittail lebtent si mit andaht in goͤtlichem dienst. [2] Do si die wise mit grossem ernste zwainczig jare uͦbten und si got ǎne underlǎs da zwischent batent umb ain libe erben, do wart in gekúndet durch ainen engeln, als vor Fuldebertus und Damascenus geschriben hǎnt, daz von irem libe ain fruht geborn solt werden, von der himelrich und ertrich solt getroͤst werden. [3] Darnach enpfienge die hailig frǒwe sant Anna mit grǒsser begird ain kint, und daz wart alz wirdeklich von goͤtlicher krǎft in ir gehailiget und erfúllet mit dem hailigen gaist, daz es von ewekait in got alz herlich versehen wart, daz got us des kindes substancie sin menschait wolt enpfahen. [4] Frǒwe sant Anna gebar ir erste geborn tohter ze Nazareht in dem hus, in dem darnach die selbe tohter Jesum Cristum enpfienge, und hies ir erst geborn tohter und kint Maria . [5] Aber die alten hystorien schribent, daz Anna ir schoͤnes kint Mariam gebaͤr ze Jerusalem bi dem vische wiger, von dem sant Johannes schribet in sinem ewangelio: [6] 'Da vil siechen lagent und dicke, so kom ain engel von himel und bewegte den visch wiger und welher siech dez ersten darin kam, der wart gesunt von allen sinen gebresten.' [7] Und die kraft enpfienge der vische wiger von ir geburt únser frǒwen. [8] Und ze ainem urkúnd wart da gestifftet in únser frǒwen ere daz erst maͤgde und jungfrǒwen clǒster, daz ie gestiffet wart, und stat bis hút.


14

[1] Der hailig Joachim und frǒwe Anna nampten ir erst geborn seͣlig kint Mariam, also nun der nam von got geordenet was. [2] Und ist 'Maria' alz vil gesprochen alz ain maͤhtige gewalterin úber die gothait, won si got gewalteget mit rehter muͦterlicher wise, als Pastasius sprichet in siner glǒse. [3] Es schribet ǒch Remigius und Ysidorus, daz 'Maria' alz vil ist gesprochen alz ain erlúhterin, won si het mit ir fruhtberen geburt alle die welt durchlúhtet. [4] Es sprichet ǒch Bernhardus in ainer omelie: 'Maria' ist ǒch alz vil gesprochen alz ain mer sterne, won alz sich alle marner uf dem mere richtent und schikent nach dem mersternen, wenne si ze lande komen, also sien wir durch Marien geschiket worden zuͦ dem ewigen leben. [5] Der mer sterne schinet mit sinen glesten ǎne sin selbs zerstoͤrung, also schinet Maria in úns ǎne allen schaden. [6] Es sprichet ǒch Allexander in der minne buͦche: Maria ist ǒch alz ain mer der bitterkait genant, darumb daz si die bitterkait aller der welt verendert und verwandlet het in ain suͤssekait. [7] Darumb so singet von ir die cristenhait: 'Du bist der mer sterne, der geben ist allem volke in ainem lieht, daz us der gothait glisset.' [8] Es sprichet von Marien Albunasar, der sternen seher, in drierlay sprache, in kriechscher, in haidinscher und in júdescher, daz der nam 'Maria' von Noe und sinen súnen wart geprediget, me denn vor fúnfczehen hundert jaren e Maria ie geborn wart, und namptent si ain jungfrǒwen raine und ain unvermelget magt, schoͤne von antlút und wol gezieret von tugenden und von libe; und solt ain kint geberen, daz wurde genant Jesus, und doch magt beliben. [9] Von disem nammen 'Maria' sprichet ǒch Allexander úber der minne buͦch: Wer in nemmet mit ernste, des zuͦversiht wirt gesterket, des tugend werdent gemeret, des zuͦversieht wirt gekreftiget, des hercze wirt uf ze got gerihtet, des sele und gemuͤte wirt vol goͤtlicher suͤssekait und alles trostes.


15

[1] Hie so lere ich dich, wie si in den tempel geopferet wart und darin ir kintlich tag in hailikait vertraibe.


16

[1] Ich zwelfter alte lere dich, minende sele, wie gar hailiclichen Maria ir kintlichen tag genúczet het, daz du ǒch in jugend und in alter din tag und alle din zit und leben nuczlich kúnnest in gottes lobe angelegen und volbringen nach diner sele hail.


17

[1] Es sprichet Jeronimus in dem buͦch von únser frǒwen ufgang: Do die hailig frǒwe Anna ir liebes kint Marien nach den ersten drin jaren entwante von sugen, do brahtent Joachim und Anna ir liebes kint zuͦ dem tenpel mit gewonlichem opfer und opfertent ir liebes kint Marien mit grǒsser minne und begirde únserm herren got in die mengy der maͤgde, daz es naht und tag in goͤtlichem dienste da were mit andren jungfrǒwen und der fúrsten kinder. [2] Do gieng daz hailig kindelin Maria ǎne allermengliches hilfe die fúnftzehen gred uff in dem tempel, alz were es zuͦ sinen tagen kumen.[3] Des wunderten die bischǒff und die priester in dem tempel und sachen dem fronen kindelin mit vollem geluste under sin minnekliches antlút. [4] Do sprach allermenglich: 'Got hant herliches lobe von des kindes wegen'.[5] Und wart frǒw Anna, des kindes muͦter, erfúllet des hailigen gaistes und sprach vor allem volke: 'Got het gedaht an sin hailig wort und het úns da haim gesuͦchet mit sinen gnaden darumb, daz er únsere herczen bekerte in diemuͤtekait, und het únser viende von úns geschaiden und het us mir unberhaften frǒwen geborn ain fruhte zuͦ froͤden und troste aller der welt.' [6] Daz sprichet der.


18

[1] Es schribent ǒch die lerer an ainer bredige, wie Maria in den tempel geopfert wart, und sprechent, daz der kúnig aller engel dis opfer alz danckberlich enpfieng, daz er haimlich in ir goͤtlich schikung worhte, daz sich darnach offenlich an ir erzǒgte, alz daz die ewig gothait von ir solt geflaischet werden, da mit die gebresten únser menschlichen krankhait soltent verdriben werden; und gab ir got alle tugende, alz si darnach geoffenet wurden aller der welt. [2] Man begaͤt dis hohzit in vil bistomen der cristenhait, daz Maria in den tempel geopfert wart. [3] Hildefonsus sprichet in dem buͦch von der hailigen wonunge der gothait: Maria wart geopfert in den tempel, die zehant solt werden ain hailiger tempel gottes, und wart gelǒn im tempel von vatter und von muͦter. [4] Und si sprach daz wort, daz in dem salter geschriben ist: 'Won mich vatter und muͦtter gelǒn hand, so het mich der herre und got empfangen; er ist min tail und min erbe, bi im wil ich ewekliche beliben und mich von im niemer geschaiden.' [5] Des aller ersten tages, do Maria in tempel geopfert wart, do verzehe si sich vatter und muͦtter erbe, alz Ambrosius und Beda sprechent, und opfert únserm herren drú kostbarú klainnet: ains, iren zarten minneklichen lip ze uͦbend in aller strenger verdienunge goͤtlicher werke; daz ander, ir saͤlig usserwelt sele in ainer fremden ergebunge zuͦ allen tugenden nach dem aller hoͤhsten empfindunge; daz drite, lib und sele und alle ir menschait got gancz und gar ergeben in gelúpte maͤgdelicher rainekait und jungfrǒwenlich ere ze behalten eweklichen. [6] Und an der gelúbte waz si die erst under allen maͤgden. [7] Ǒch sprichet Ambrosius sunder an ainer predige, daz got dis opfer alz gar wol von Marien geviel, so si maͤgdlich rainkait gelopt ze behalten, daz únser herre maͤgdlich rainkait wihte, und bestetiget mit im selber also, daz jungfroͤlich leben uf erden han ist der engel genosse und besiczet in himelrich den hoͤhsten lone fúr alle hailigen.


19

[1] Maria wart im tempel enpfolhen der hailigen frǒwen Annen, der wissaginen, von der Lucas schribet in sinem ewangelio, si ist die, die vier und achczig jare ain wittowe gesin was und bettet und vastat tag und naht, daz si von dem tempel nút entwaich, bis daz Maria ir liebes frones kindelin Jesum in den tenpel opferet.[2] Und die selbe Anna und Simieon úber Jesum und Mariam wissageten, alz daz ewangelium lútert und beweret.


20

[1] Nun merke wol, du minende sele, wie Maria lebte in ir jugent im tempel, ee daz si gottes sun enpfieng, daz du din leben besserst bi irem leben. [2] Es sprichet Jeronimus in dem buͦch von únser frǒwen ufgang, daz Maria in dem tempel zuͦ gefuͤget wart andren rainen jungfrǒwen und fúrsten kinder. Won uf si het alles volk ain grǒss uf sehen und warnemen, won si was alz gar fúrsihtig in allem irem wandel ires jungen lebens, alz ob si were drissig jar alte gesin,won von irem antlút schain ain liehter froͤmder glast, daz si nieman kum angesehen moht noch ir nieman zuͦ kainem úbel gedenken mohte. [3] Es het allermenglich wunder von irem goͤtlichem leben und selczenkait von ir sunder hailikait. [4] Wishait het si fúr alle menschen, die iendert warent, deimuͤtikait und vernunft úber alle massen vil und úber aller menschlich sinne, gerehtekait in allen getaͤten und gehorsam in allen werken und in geberden. [5] Kúnstrich waz si der lere und warhaft in iren worten. [6] Ir us sprechen was suͤsse und lustig und zoch alle menschen zuͦ got. [7] Anheftig waz si in maͤgdelicher luterkait, behuͦt in aller biwonung under den lúten. [8] Ǎne underlǎs was si vast geflissen ze betten und gottes lobe ze volbringen und sich nieman lǎn daran irren. [9] Mariam gesach noch gehort nie nieman zornig noch nie nieman fluͦchen noch urtailen. [10] Alle untugend warent ir wider und alle tugent lieptend ir ie bas und ie bas. [11] Alle ir woͤrter und wise und werke warent alz gar gnadenrich, daz man goͤtliche gnade darinne verstonde und erkante. [12] Si was ǎne lachen und ǎne torlich geberde und wandel und aͤne alle úppigkait. [13] Und wer si gruͦst, dem antwurt si also: 'Got danke dir' oder 'got si gelobt'. [14] Und des dankes was si die aller erste, die daz ie erdaht. [15] Dis schribet alles Jeronimus von únser frǒwen kinthait in dem buͦch von irem ufgang, daz si uͤbet alle die wile si in dem tempel waz und darnach bis an ir ende. [16] Merke es wol, du minende sele, und lerne din leben ǒch da bi ze bessern.


21

[1] In dem selben schribet Jeronimus fúrbas von únser lieben frǒwen Marien also, daz si in dem tempel vom morgen bis ze terczi zite ǎne underlǎs bettet und jubelierte und contemplierte in got und mit got mit allem ernste und suͤssekait verzogen und verzuket in die hǒhen drivaltikait. [2] Von tercie zit bis ze none do wúrket si die húbschen kluͦgen gezierde, die da hort zuͦ dem gottes dienst in dem tempel. [3] Darnach von non zit gieng si aber an ir andaht alz lang, bis ir die engel die himel spise brahtent von obenan herab. [4] Was ir aber die priester oder frǒwe Anna, die wissagin, ir maisterin in dem tempel, liplicher spise gabent mit andren jungfrǒwen, die bi ir wonenten, die spise gab si alle armen lúten. [5] Darnach von mittem tag bis ze vesper zit so lerte si ir gespilen und jungfrǒwelin tugent und rainkait ze uͤbent und untugent fliehen und las darnach in dem salter und in den propheten und in der alten e, was von ir und von irem aingebornen kinde gewissaget was. [6] Darnach von vesper zit bis ze naht so ergab si sich aller suͤsser betrahtung von got und von himelscher schǒnhait und gezierde .[7] Wer aber sieche und gebresthaft was, alz balde er Marien an ruͦrte, so wart er zehant erleiget von aller siner krankhait, siech tagen und gebresten.


22

[1] Dis wise markte alle der bischoffe Abiacher, der do zemal obroster priester herr under den priestern was úber den tempel ze Jerusalem, daz dis hailig jungfrǒlin Maria was ain usbunt úber alle menschen, die in zit ie gesehen wurden, und gehiese Marien gold und silber und edel gestain und ander scheͣcze úber alle mǎssen vil, daz si sin sune zuͦ der e neme; und traibe die rede Abiacher an Marien dick und vil durch alle grossen herren, die ze Jerusalem waren. [2] Aber Maria antwúrte in allen also: 'Es ist got vil lieber und loblicher, daz man ime diene in rainkait denne in zerstoͤrtem libe, und won ich gotte maͤgdlich rainkait gelǒpt hǎn ze behaltend eweclich, so wil ich es laisten und weder umb gold noch umb silber noch umbe kainen schacze davon entwichen.' [3] Dis schribet alles Jeronimus in dem vor genanten buͦch von únser frǒwen ufgang.


23

[1] Wilhelmus der klaine úber der minne buͦch spricht, daz Maria sehczig gefúrster engel het, die ir ǎne underlǎs bi wonenten und ir huͦtent und dientent. [2] Es schribet Origenes úber Matheus ewangelium, daz vil engel Marien huͦtent und ir pflagent alle zit. [3] Anshelmus sprichet an ainer predige: Do got Marien selber wolte besiczen alz daz gesegnet und gebenediet paradise und si ze ainer muͦter wolt hǎn, do fúrkom er si mit der huͦte vil engel, die ir ǎne underlǎs by waren. [4] Jeronimus von únser frǒwen ufgang sprichet: Die megde, die bi Marien in dem tenpel gezogen wurdent, die horten und sachent die engel mit Marien reden dicke und vil mit geluste.


24

[1] In ainer hailiger winenneͣht naht, do jungfrǒwe Elizabethte, die hailig aptischen von Schoͤnowe, was in ir grǒsem andǎht, alz geschriben stat in dem buͦch ir offenbarung, do erschain ir únser frow sant Maria zemal klarlich und sprach zuͦ ir: 'Elizabeht, ich lere dich, alz ich tet, do mich vatter und muͦter in den tempel opferten. [2] Do ergab ich mich got mit libe und sele, mit herczen und gemuͤte und mit allem dem, daz ich wist, und begert gnad von gotte, daz er mich lerte in minnen vor allen dingen von allem minem gemuͤte und von allen minen kreften und von allen minem vermúgent. [3] Des wart ich alles gewert und ǒch geleret von dem hailigen gaiste. [4] Dar nach so wisse, daz ich alle zite ze mittir naht im tempel uf stuͦnde, wenne allermenglich slieffe, und laͤit mich in crúcz wisse fúr den alter und bat mit ernst und andahte und mit inbrúnstiger begirde aller miner kreften únsern herren got syben gebette. [5] Dez ersten', sprach únser frǒwe, 'so bat ich in umb gnad, da mit ich sin minne und sin gebotte moͤht volbringen und in von herczen und von allem minem vermúgent moͤhte und kúnde geminen úber alle ding. [6] Daz ander bat ich gnad, daz ich nach sinem willen wol kúnne minnen minen nehsten und alles, daz er minnet. [7] Daz dritte bat ich gnade und demuͤtekait und aller ander tugent, da mit ich got moͤht wol gevallen. [8] Daz fierde bat ich got, daz ich alles daz gehassen moͤhte, daz im wider were. [9] Daz fúnfte bat ich got, daz ich kúnde gehorsam sin allen den gebotten, die alle lerer gebietent in dem tempel. [10] Daz sehste bat ich, daz got alles sin volke behuͦte und behielte in sinem lobe und dienste nach dem aller besten. [11] Daz súbende bat ich got, daz er mich niemer liesse sterben, ich saͤhe denne vor die maͤgtlichen jungfrǒwen, die gottes sun soͤlte geberen, und er mir verlúhe alz vil vernunfte und ernst und fúrsichtekait, daz ich ir dienen kúnde und moͤhte und ir in allen sachen ain benúgen sin und úbel und guͦt mit ir liden und gottes sune in goͤtlicher und menschlicher nature in ir jungfrǒwenlichen schǒs moͤhte anbetten. [12] Do ich alle mittenahte got des bat, do ich nún jar in dem tempel was, do wart ich der bet alle geweͣret und wart ǒch selber sin muͦtter, die im got selber usserkorn und us erlessen hǎt fúr alle frǒwan. [13] Also lere ich dich, Elisabet, daz du got inneklich bitten solt umb alle din notdurft ze libe und ze sele,won Jhesus Cristus sprichet in dem ewangelio: "Der bittet, der empfahet; und der suͦchet, der vindet; und der klopfet, der wirt in gelǎssen."' [14] Dis stat alles geschriben in der offenbarunge frǒ Elisabeten, der aptischenen ze Schoͤnowe, buͦch.


25

[1] Von dem sprichet Anshelmus in ainer bredige: Die maͤgtlich jungfrǒwe Maria, die von kúnglichem geslehte was, die het allen iren flisse und mainunge und minne daran geleit, wie si ir lip und sele allain behielte und gehailigete, won si wiste wol, wer sich an got gelǎt und sich got ernstlich erbútet und im wol getrúwet, daz der von got niemer gelǎssen wirt.


26

[1] Darnach lere ich dich, wie si Josepen gemehelt wart und wie ir Gabriel den goͤtlichen gruͦcz brǎht, und Jhesum empfieng.


27

[1] Minende sele, du solt wissen von mir zwelften alten und ǒch merken, wie Maria Josepen gemehelt wart und des ewigen gottes sun liplich und gaistlich in ir maͤgdlich rainkait enpfieng, daz doch ist úber alle menschliche sinne und ǒch úber engelsche vernunft und ǒch daz groͤsest wunder, daz in zit ie geschach noch fúrbass geschehen mag.


28

[1] Es sprichet Jeronimus von dem ufgang únser frǒwen, daz man allain in dem tempel saczte ze lere kúnniges kinder und propheten und fúrsten und bischǒffe jungfroͤwelin kinder und wenne si zwelf oder fierzehen jaͤrig wurden, so kunte si denn der bischǒffe ze der ee, daz sú manbaͤre werent. [2] Do aber Maria zuͦ der ee alt genuͦg wart und doch ir maͤgdelich rainekait got verhaissen het, do wart under den bischoffen und priestern und den gelerten irrunge und zwifel, ob man si zuͦ der ee geben soͤlt oder si in maͤgdlicher wise beliben lies wider alle gewonhait. [3] Da batt allermenglichen got von himelrich mit grǒssem ernst daz, daz er in in der irresalung und under den sachen ainen ustrag geͣbe. [4] Do kom zehant die goͤtlich stimme und sprach: 'Alle die mannen, die von dem kúnniglichem gesleͣhte David sigin und nút elich frǒwa hand, die sond morn dúrre ruͦtta in den tempel bringen, und welles mannes ruͦtte gruͤne wirt und der hailig gaist in ainer tuben wise daruf ruͦwen wirt, alz gewissaget ist von Ysayas , dem propheten, den sol man Marien gemeͣheln.' [5] Do viel daz goͤtlich lǒsse uf den hailigen Josephen und der wart davon durch alle sin hercze und gemuͤte betruͤbet. [6] Daz waz darumb, daz er sich des edellen schaczes unwirdig dunckte ze mahelschafte ze enphahunge. [7] Und fuͦr Joseph ze Betlahem und Maria ze Nazareth mit súben hailigen jungfrǒwen, die alle mit ir in dem tempel gezogen und geleret warent. [8] Dis sprichet alles Jeronimus und mit im die alten buͦch.


29

[1] In dem zit wartet Maria gottes gnaden ǎne underlǎss mit grossem andacht. [2] Und do si ainest ze mitter naht got bat der súben gebette, die da vor geschriben stǒnde, do kom die goͤtlich stime mit ainem claren himelschen liehte úber si und sprach suͤsseclichen und herlich zuͦ ir: 'Wisse Maria, daz du die solt sin, von der min ewiger und aingebornner sune in der gothait geborn sol werden in der menschait. [3] Und alz du gottes muͦtter begert hest ze sehend und ir ze dienen, also solt du selber gottes muͦtter werden. [4] Und was du dienst gottes muͦtter durch minen willen weltest hǎn getuͦn, daz wil ich, daz dir die dienst fúrbas geschehent von allermenglich. [5] Ich hon dich von der ewekait darzuͦ erkorn und us erlesen und us erwelt und hest mir fúr alle dise welt wol gevallen, daz von dinem gebeneditten libe min sune sol gezwiget und gemenschet werden durch die kraft des hailigen gaistes ǎne aller menschen hilfe.' [6] Do dise suͤssen woͤrter und daz goͤtlich us sprechen Maria vernam und in sich bildet, do kom si in soͤlich úberswenkig wunder und forhte, daz solich selczen und froͤmde botschaft zuͦ ir kummen was, die úber alle menschliche vernunft was, daz ir ir kraft und alle ir sinne entwaich vor úbrigem erschreken, und viel uf ir antlút und wart ir selber ungewaltig. [7] Do koment die engeln und huͦbent si uf und ersterktent si und sprachent zuͦ ir: 'Maria fúrhte dir nút, won du bist gesegnet ob allen frǒwen. [8] Got het im ain wol gevallen an dir, won in dir ruͦwet goͤtliche gnade und sol seͣleklich in dir erfúllet werden, was dir got gehaissen het. [9] Du wirst gewaltige frǒwe himelriches und ertriches.' [10] Dis stǎt alles geschriben in der offenbarunge der jungfrǒwen Elisabetht, aptisschen von Schǒnǒwe. [11] Und do ir Maria erschain, do verjach si ir dis alles von wort ze wort.


30

[1] Es stǒnd ǒch in der selben offenbarunge also, daz Maria, do si zuͦ ir selber wider kom, do bat si got mit ernst und mit allem flisse: 'Herre, won du nun also wilt, daz ich dines sunes muͦtter sol sin und werden, so si min wil din wil und ich bin berait zuͦ allem dinem wol gevallen. [2] Won ich aber unmeͣhtig und kraftlǒs bin zuͤ dem aller groͤssten werke, daz du, herre, durch mich wúrken wilt, so beger ich, daz du mir gebest die súben gaban des hailigen gaistes, daz si mich lerent, daz ich dinem sune ain benuͤgen múge gesin nach siner wirdekait. [3] Des ersten so beger ich goͤtlicher wishait, daz ich dinen sun kune wislich gedienen nach allem sinem willen. [4] Darnach beger ich der gabe der vernúftikait, da mit ich erlúhtet werde, sinen willen ze volbringen. [5] Ich beger ǒch die gabe goͤtliches rǎttes, im ze raten nach siner menschait. [6] Ich beger der gabe der sterke, daz ich sin gothait krefteklich múg getragen. [7] Ich beger der gabe der kúnste, daz ich in wislich mit sitten in siner menschait kúnd leren. [8] Ich beger der gab der guͤtekait, im alle notdurft ze bessern. [9] Ich beger der gabe der vorchte, daz ich diemuͤteklichen in minne alle werke und dienste nach sinem lobe an im volbringe.' [10] 'Der gaben wart ich aller gewert', sprach únser frǒwe zuͦ der jungfrǒwen Elisabethten, alz in ir offenbarung geschrieben stat.


31

[1] In dem zit an dem nehsten fritag uf dem abent, do Maria las den propheten Ysayam, der da geschriben het: 'Nim war, ain maget enpfahet und gebirt ain sune', do kom Gabriel, der engel, in gegangen in menschlicher forme und in himelschen klaidern und engelschen klaidern mit goͤtlichem liehte und knúwet wirdeklichen fúr Mariam und sprach gar mit suͤssen worten: 'Gegruͤsset siest du Maria vol gnaden, der herre ist mit dir,' sprichet Augustinus in der predige von únser frǒwen geburte, 'der herre ist mit dir in gemuͤte und in herczen, in libe und in hilfe. [2] Von dem goͤtlichen stuͦl kumet der herre in dinen libe.' [3] Jeronimus sprichet in ainer bredig und mit im Petrus: Die gnade, da mit der engel Marien gruͦcz, die het geben dem himel ere, dem ertrich ainen herren, den lúten ainen geloben, den tugenden ain anvang, den untugen ain ende, dem leben ain ordenung, den sitten ain zuhte. [4] Die gnade enpfieng Maria, darumb daz si hail breht aller der welt. [5] Won andren ist gnad geben in stuken und tailsamkait, aber Marien wart geben gancz und gar volle gnade. [6] Daz sprechent die zwen beide. [7] Bernhardus sprichet an siner bredige ainer: Es ist kunt allen menschen, daz die gnade, die Maria suͦchet, die het si funden, und darumb sprach her Gabriel zuͦ ir: 'Maria, fúrhte dir nút, du hest gnade funden. [8] Nim war, du wirst enpfahen in dinen libe und wirst gebern ainen sun und den haissen Jhesum. [9] Er wirt grǒs und wirt gehaissen des aller hoͤhsten sun und wirt in dem hus Jakob eweklich richsen und wirt sin riche ǎne ende.' [10] Vil ander sinne schribet davon sant Lucas in sinem ewangelio.


32

[1] Gabriel seit únser frǒwen, also die lerer schribent, alles daz, daz ir und irem kinde Jhesu in zit solt kúnftig werden in liebe und in laide. [2] Do dis suͤsse gespreche und kosen zwischend Marien und her Gabriel weret bis ze mitter naht, do wart die himelsche kaisserin Maria úberwunden mit goͤtlicher kraft und mit der hailigen drivaͤltikait gewalt, daz si sprach mit aller begirde herczen und muͦtes: 'Nim war, ich bin ain dienerin des herren, mir geschehe nach dinen worten.' [3] Dis wort was vil meͣhtiger denne daz wort waz, da durch got himelrich und erde geschuͦffe, und verdiente Maria me lones da durch, denne alle menschen moͤhten verdienen, alz die maister haltent in goͤtlicher kunste. [4] Zehant do Maria iren gunst in Gabrieles botschaft gab, do ward daz ewig wort in ir junkfrǒwenlichen luterkait alsus vermenschet, daz got und mensche ain ding wurden. [5] Und die werke scheczent die lerer vil groͤsser fúr alle die werke, die ie geschahent und noch geschehen múgent. [6] Von dem gunst, den Maria enpfal goͤtlichem gewalt, nam der hailig gaist daz aller edelesten herczen pluͦte von ir maͤgdlichen rainnikait und formerte darus ain ganczes menschlin nach allem wunsche mit volkumner gelid messekait. [7] Und got der vatter uf dem selben puncten geschuͦffe die aller volbrahtesten und volkumensten sele, die darzuͦ gehort. [8] Aber der sun in der gothait, des dis werke aigen waz, der enpfieng den lip und die sel an sich alz die ewig wishait in daz wort sines ewigen vatters und mit der kraft des hailigen gaistes, doch also daz ieklich persone der hailigen drúvaltikait ir besunder werke hǎt und doch ir drier persone ain gemain werke was ǎne sunderunge personlicher wessenhait. [9] Dis schribent alles die maister in goͤtlicher kunst.


33

[1] Die vergoͤttet sele Jhesu Cristi wart zehant also glorifizieret und geformert, daz si alles daz sach und niessens enpfand, daz in dem ewigen wort beslossen was in goͤtlichem wider gleste nach aller volkumenhait, und wiste ǒch die sele alle dinge. [2] Und diente dem kindelin noch denne die wile es beslossen was in Marien libe alle engel und wart zehant ain gewaltiger herre himelriches und ertriches und bracht solich gnade und minne in sin muͦter, die weder vor noch nach ain blǒsse luter creature ie gewan noch fúrbas gewinnen mag, alz Bernhardus sprichet an ainer predige.


34

[1] Es gewan ǒch die kaiserlich muͦter Maria soͤliche grundlose siptail uf den selben puncten mit den drin personen in der hailigen drivaltikait, daz kain mensche dem andern neher in zit mag genaturet werden und gefrúndet werden, sprichet Hildefonsus an dem buͦch von der hailigen wonunge der gothait. [2] Und Anshelmus sprichet zuͦ dem geminten: Pruͤfe daz grǒs wunder und merke wol daz, daz der herre aller der welte, der da himelrich und ertriche fúllet und den niemand umbfachen mocht, umbfangen ist worden in der junkvrǒwenlichen luterkait Marien lip, die im der ewig vatter fúr alle menschen zuͦ ainer sunder tohter gehailget het, der ewig sune zuͦ ainer muͦter us erlessen geswangert hǎt, der hailig gaist im selber ze ainer gemahelen userkorn het. [3] Allexander sprichet úber der minne buͦch und Bernhardus an ainer bredige, daz die suͤssen baͤch des himelschen paradises flussen von der hailigen drúvaltikait in Marien lip, darus got mensche wart.


35

[1] Alz bald die ainunge geschach, do frǒtent sich die vaͤtter in der vorhelle, daz ir erloͤsunge nahete. [2] Die engel in dem himel die frǒtten sich, do sich ir trǒst wittert. [3] Die súnder in dem zit frǒttent sich, do sich ir erlǒsser nachet. [4] Alle dise welt frǒwtent sich, daz ir hail kumen was, und alle creature frǒwtent sich, won in suͤssekait in flǒs von dem lebendigen brunen. [5] Maria frǒwet sich, do si sprach: 'Min den herren und min gaist frǒwet sich in got minem hail, won der herre het angesehen die diemuͤtekait siner dirnen, darumb sagent mich saͤilig alle geschlehte.' sele gruͤsset [6] Alz bald Maria enpfangen haͤt Jhesum, daz kindelin, und Gabriel von ir schied, do vieng si mit grǒssem ernst und flisse und andǎht an ze jubelieren und got inneklichen ze danken und vieng ǒch an zehand ze betten den psalmen 'Benedixisti domine terram tuam' - 'Gesegnet hest du, herre, din ertrich' und sunderlich sprach si dicke den vers, der darinne geschriben stat: 'Ich hoͤre waz min herre und got in mir redet, won er redet fride sinem volke.' [7] Was aber úberswenkliches lustes und froͤde und suͤsser jubelieren und contenplieren und goͤtlicher enpfindunge und der engel bewegung únser frǒwe het in dem zit, do der edel schacze gottes sun in irem benedittem libe verslǒssen was, daz kan noch mag nieman verschriben noch voltrahten, sprechent die lerer Sedulus, Aulbertus, Bernhardus, Alexander und ander lerer gar vil.


36

[1] Daz aber Maria zehant darnach in daz gebirge gieng und ir muͦmen Elisabethen gruͦcze und sich Johannes der toͤffer frǒwte in siner muͦtter libe Elisabethten von der gegenwúrtekait Marien und irs suns und wie únser frǒwe Maria darnach widerumb ze Nazarert kam und si do erst Josep grǒß swanger vand und Josep Marien beide von vorhte und von ir hailikait wegen wolt gelǎssen hǒn und wie im daz der engel verbǒt, daz schribent die ewangelisten manigvalticlichen.


37

[1] Leo der bapst sprichet in ainer bredige von dem wihenaͤchten: Die ewig wesenhait, die sich zuͦ menschlichen kúnne mit hail genaiget het, die het úns in ir guͤnlikait verbildet; und daz die wesenhait waz, daz het si dar umb nit gemiten noch gelǒn, und daz wir waren, daz het si nút geschúhet ze enpfahen, won wir moͤhten von dem band des ewigen todes nit erlediget werden, er were denne e in únser menschait gedemuͤtiget, der in siner gothait was almehtig.


38

[1] Hie lere ich, wie si iren sun Jhesum Cristum gebar und im muͦtterlich vor gieng in siner kinthait.


39

[1] Du minende sele, du solt ǒch von mir zwelften alten wissen, wie Maria mit irem sun ir leben in zit geordenet het, daz ǒch du din leben alsus ordenen kúnnest. Do Octavianus, der kaiser, wolt wissen die zale aller menschen, do kom Maria und Josep ze Betlahem ze ainem erzoͤigen, daz si woltent gehorsam sin dem kaiserlichen gebotte. [2] Und Maria ir zit het us gerechnat, und von goͤtlicher krǎft und fúrsiechtikait die welt was gestanden fúnf tusent jar und zwai hundert jar ains jars minner, do gebar únser frǒwe sant Maria ǎne alles we und smerczen, mit allem lust und trǒst, mit goͤtlicher gezierde iren aingebornen sun Jhesum Cristum , únsern herren, den behalter aller der welt, des si kom erbaitet het ze sehent in menschlicher nature, von dem ir muͦtterlich hercze ain gancz ergeczenlichait het in allem luste und trǒst und ganczer froͤde mit siner zarten menschait, darinne beslǒssen waz die ewig gothait. [3] Den wande si zartlichen mit allem flisse in wisse tuͤchlin und leit in in die krúppen und bettet in an.


40

[1] Es sprichet Augustinus in únser frǒwen persone: 'Daz riche megtlicher ere han ich behebt und doch geborn den kúnig der guͤnliche. [2] Er ist in und us gegangen us dem palast miner megtelicher gezierd; und hǎn ainen sun und ain kaiser geborn und doch den slússel mgtlicher rainkait nút verlorn. [3] Ich bin worden ain himel port und ain túr gottes sun.' [4] Alexander sprichet úber der minne buͦch: Wir son ansehen den himelschen tegen in jungfrǒlichem schosse siczen und sond merken, wie die sunne uf gǎt von der morgen roͤte und der sterne der sunen dienet, da der kúnig aller kúng geborn wart von ainer junkfrǒwen, die in gefroͤnet het mit únser menschait, darinne si úns mit im vermaͤhelt het mit vollen froͤden irs herczen.


41

[1] Sprichet Hildefonsus von siner geburt: O du guͦtter jungeling Jhesus, wannen hǒn wir dich? [2] Von dines ewigen vatters schos und von diner muͤter lib. Won mit diner geburt ist aller irresal von úns vertriben, aller gebreste und siechtage von úns genumen und entwichen und der ewig tode ist úns zerstoͤret. [3] Haile ist úns geborn. [4] Leben ist úns verlúhen. [5] Daz himelrich ist úns geoffenet und geben ze ainem ewigen erbe.


42

[1] Do Maria, die rain muͦter, ir frones kindelin gebar, do erzaigtent sich zaichen und wunder in himel und uf ertrich und in allen creaturen, beide von der muͦtter hailikait wegen und ǒch von des kindes almehtikait, won die mittenaht wart lieht alz der mitten tag. [2] Dry sunnen erschinen an dem himel und wurden ze ainer sunnen. [3] Ain núwer sterne der erzaiget sich und darinne ain kint mit ainem guldin crúcze gespannen úber sinen lip. [4] Ain brune von wasser wart verkeret ze Rǒme in oͤley. [5] Der tempel des frides ze Rǒme der viel und zer­stoͤret alle abgoͤt, die darinne warent. [6] Die reben von Engadiy brahtent iren fruhte von balsam. [7] Alle bluͦmen bluͤgtent und alle rǒssen von Jerichozerspraitent sich. [8] Dis stat alles geschriben in der roͤmer buͤcherer. [9] Ǒch daz eselin und daz oͤchselin die butten er irem herren und siner muͦter des nahtes und des tages wider die nature, alz Ysaias davon gewissaget het.


43

[1] Es sprichet Origenes an ainer bredige von den winnahten: Samenen wir ze sammen die wunder, die sich in Marien gebúrte erzoͤget hant: [2] Ain jungfrǒwe gebar. [3] Got wirt mensch. [4] Der engel kúndet den herren. [5] Die hirten sahent daz grǒs wunder und zehant do kom ain liehte und umbgab die hirten und kom ain grǒs menge der englen und sungen: 'Lobe sie got in der hoͤhy und fride den menschen uf der erden, die ains guͦten willen sind.'


44

[1] Vil froͤde waz in Marien herczen, do ir got gehorsam was in muͦtterlicher wise und ir alle creaturen dienten alz ainer gewaltigen kaisserinun. [2] Dis selderichen, glúkhaften kintbetterin ruͤmet Alexander an ainer bredige von den winnaͤhten und sprichet: O du seldenriche maget, was moͤht oder kúnde dir got herlicher wirdekait verlihen, denne daz er dich wirdiget got ze enpfahen und in ze geberen. [3] O du selige geburte! [4] O du sunderige ere! [5] O du núwe gnade! [6] O du minnericher adel! [7] O du unscheczenlicher úberswanke! [8] O du úbertreffender usbunt! [9] Es wart nie frǒwe wirdiger gottes muͦtter ze werden denne du, Maria, noch nieman wirdiger von ainer maget geborn ze werden denne allain gottes sune. [10] Waz mag wirdiger gesin?


45

[1] Darnach, und Maria únsern herren Jhesum Cristum gebar und in gewunden het in die wissen tuͤchelin, die si selber gespunnen het, alz die lerer schribent, do knúwet si fúr die krippen, da ir aingebornner sune inne lag, der fúrst und herre himelriches und ertriches waz, und bettet daz gebet, als geschriben stat in dem buͦch von únser frǒwen leben, daz man haisset 'Maria', und bettet also: 'Ich bitte dich, herre und gottes sune und kint, daz du alle die behalten wellest in diner guͤte, durch der willen du kumen bist in menschlich nature. [2] Ich bitte dich zuͦ dem andern mal, won du bist gewaltiger richsener in himelrich und uf erden, daz du kainem menschen verzihen wellest aller der gebette, der er dich durch sin nǒt bittet. [3] Ich bitte dich zuͦ dem dritten mǎle, won du bist der klare gegenwurfe aller selikait, daz du allen menschen wellest verlihen gnade und minne, die si bringent in daz ewig leben.'


46

[1] Alexander sprichet úber der minne buͦch: Maria, du bist gesegnat úber alle frǒwan, du zierliche gottes gebererin. [2] Du hest Jesum allain geborn und in dinem schǒs allain gefuͦret und gesoͤget von dinem herczen und brústen, du schoͤne muͦtter alles suͤsses smakes und wol gelustes, und hest in gefuͤret und gespiset mit diner megtlichen milche und gesoͤget mit dinen muͦtterlichen brústen. [3] Und aller der dienste, der zuͦ dinem kinde horte, den hest du verwessen mit muͦtterlicher trúwe, des lǎs úns, frǒwe, geniessen. [4] Dem gelich redet Augustinus in ainer predige von der uffart únser frǒwen Marien: Du hest din megtlich brúste gebotten ze sugend dem rǒsenvarwen múndelin Jhesu, der da ist ain schěpfer der welt. [5] Du hest daz edel himelbrǒt gespiset mit diner megtlichen substancie, daz wir mit dir gespisset wurden von der fruht siner klaren gothait.


47

[1] Es sprichet Alexander úber der minne buͦch: Ich sihe und wider sihe, wie die muͦtter aller tugent und volkumner wishait mit so grǒsem luste und froͤlicher wunne und begirde nimet in ir megtlich hende ir aingebornes kint, und merke, wie si in umbvahet und druket mit voller begirde an ir brúste und kússet in an sin sternen glissenden oͤgelin, an sinú rǒsvarwen wengelin, an sin minnekliches kinne, an sin hunig suͤsses múndelin, an sin snewissen stirnen und soͤget sin balsam suͤssen leftzelin und zúhet in sich sin goͤtlich aͤtemlin. [2] O du muͦtter alles gelúgges und aller selden, wie gar frúntlich umbvahest du sine milch wissen kelen und kinne, wie gar minneklich drukest du sin brúste an din muͦterlich rein hercze. [3] Nun kússest du in an sin búchelin, nun an sin rúkelin, nun an sin armelin und hendelin, nun an sin bainlin und fuͤsselin. [4] Nun strichest du im zartlich alles sin libelin, nun seczest du in fúr dich uf din schǒss und kerest sin antlút gegen dir und siehest in mit froͤden an alz in ainen lustigen spiegel, darinne goͤtlich und menschlich nature ain durlúhten het und ainen froͤlichen wider schine nach allem volle richen benuͤgen und die hailig drúvaltikait ain usglesten in aller krǎfte. [5] Wer kan oder mag den geluste allen erzellen, den du muͦter begiengde mit dinem kindelin, an dem du funt alles, daz din hercze begert?


48

[1] Von dem grǒssen flisse und dienst, die Maria ǎne underlǎs het zuͦ irem kinde, sprichet Anshelmus in ainer omelie úber daz ewangelium: Jhesus gieng in ain castelle. Maria enpfieng iren sun blǒs und klaidet in mit der menschait, die allain von irem libe geboren wart, und darnach klaidet si in mit den wisen tuͤchelin, die si selber gespunnen het, darin si in wand, do si in fúr sich in die kripen leit. [2] Darnach klaidet si in mit dem gelismaten rǒke, den si selber gespunnen het. [3] Si trankte in mit milch ir jungfroͤwenlichen rainkait. [4] Si spiset in mit der spisse, der si nieman gunde fúr sich ze kochen. [5] Si badet in. [6] Si wuͦsche in. [7] Si rkam an im allen menschlichen gebresten, als vil si mohte. [8] An hicze, an kelti, an hunger, an durst, an slǎffen, an ruͦwe, an muͤde, an arbait und an allem dem, daz zuͦ siner menschait gehorte, gunde si nieman fúr si ze tuͦnd mit heben, mit legen, mit tragen, mit betten. [9] Und was darzuͦ gehoͤret, was ir alles ain herczen troste. [10] Daz sprichet der und mit im Aulbertus und Hildefonsus. [11] Von disem dienst entwaich Maria nie mit flisse bis an daz zit, daz Jhesus Cristus im selber moht beholfen sin.


49

[1] Alz vil Maria grǒsser froͤde enpfienge, do si Jhesum gebar ǎne smerczen under dem gesang der engeln, alz vil laides het si, do er an dem ahtenden tag sin erstes bluͦt vergos in der besnidung, darin er Jhesus gehaisen wart. [2] Alz vil Marien gemuͤte herlicher ergeczelichait gewan, do der núwe sterne geformet wart, der die drige kúnge von verren landen fuͦrt úber die krippen, die im operten gold, wiroch und mirren, alz vil sorge enpfieng Maria, do Herordes gedǎht ir kint ze toͤten. [3] Von des selben opfers wegen sprichet Petrus von Ravenn, es sprichet Odilio und ǒch daz hailig ewangelium und Johannes: Alz vil andehteklich Maria ir kint Jhesum in den tenpel opferte und es Simeon, der gerehte, und Anna, die wissagin, wirdeklich empfiengen, alz vast wart ir hercze durchwundet, do ir Simeon wissaget an der selben stat, daz ain swert durchtringen soͤlt ir hercze.


50

[1] Bernhardus sprichet úber daz ewangelium und vil lerer mit im, daz Maria vierzig tag kindes inne lag in dem offen húselin bi dem krippelin und davon die zit nie entwaich, nút daz si sin bedoͤrfte, mer daz si kintbetterin wise wolt ain benuͤgen sin nach der geseczte Moisý, alz got gebotten het. [2] Darnach opfert si daz fron kint in den tenpel; und do alle ding geschahen, die darzuͦ gehorten, alz Lucas in dem ewangelio sprichet, do truͦg Maria Jhesum, iren sun, ze Nasareth und was da anderhalb jare. [3] Und in dem zit erschain der engel Josep und hies in kint und muͦter fuͤren in Egipten lant, daz in Herodes nút tǒte.


51

[1] Do aber Maria ir kint braht in Egipten, do vielen alle die abgoͤtte, die darinne warent, ze ainem urkúnde, daz Jhesus gottes sun weͣre und allain got weͣre, den man allain anbetten und loben soͤlte. [2] In Egipten lant liebet sich Maria mit irem schoͤnen wunneklichen kinde, daz allermenglich gar grǒs gnade zuͦ im und zuͦ siner muͦter gewan, won es woneten ytel haiden in Egipten lant. [3] Da belaib únser frǒwe súben jar und ernart sich und ir kint und Josepen mit dem húpschen werke, daz si wúrken kunde mit gold, mit silber und mit siden und mit spinnen, des si alles was ain rehte maisterin. [4] Aber daz klaine kint Jhesus gieng nach brot und laid mengen grossen hunger und turst. [5] Und kam darnach wider ze Nasaretht nach den súben jaren.


52

[1] Darnach, wie si bi im wonet ze Nasaret und an allen steten, bis er gieng in daz liden.


53

[1] Dar nach wisse von mir zwelften alten, du minende sele, daz Maria wonet ǎne underlǎs bi irem hercz lieben sun Jhesu und gieng aber ze allen ziten und ze allen grǒssen hohziten mit im ze Jerusalem in den tempel, andaht ze uͤbend. [2] Und do Jhesus zwelf jaͤrig wart ze den osteren, do brahte si in nach guͦter gewonhait in den tempel und verlor in bis an den dritten tag alz Lucas sprichet. [3] Úber Lucas ewangelium schribet Bernhardus, daz Jhesus in den drin tagen, und in Maria verlorn het, wonet nahtes in dem tempel und contemplierte da mit sinem ewigen vatter, und tages sas er under den lerern und gab in red und antwurt genuͦge von goͤtlicher lere und wishait. [4] Aber ze ymbis zit so betlet er brot durch got. [5] Dar nach an dem dritten tag vand in Maria, sin muͦter, in dem tempel enmitten under den lerern, und alz vil si grǒsses lidens und betruͤbnúste het umb sin verluste, alz vast wart si erfroͤwet, do si in vand under den lerern und daz si hort fliessen von sinem goͤtlichen munde die goͤtlichen kunste und sprach zuͦ im: 'Sun, wie hest du úns so getǒn? Ich und din vatter hand dich kleglich gesuͦchet.' [6] Alexander sprichet úber der minne buͦch: Brfe und merke, du minende sel, wie daz megtlich hercze vol froͤden wart, und si sich die allerseleghosten und gelúgkaftigosten nampt und schaczte, do si vand iren sun, den erloͤsser aller menschen, iren herren, iren got, iren trǒst, ir kurcz wile, ir zuͦversihte und den kúnig aller engelen und den gewaltigen und mehtigen aller der welt. [7] Wie si in da zartlichen umbevieng, muͦterlichen druchte an ir froͤlich hercze! [8] O wie gar lusteklich und suͤsseklich si in kuste! [9] O wie gar muͦterlich si in hiels! [10] O wie gar froͤlich und frúntlich si in handelet mit aller der zuͦteͣtigen geberden, die ieman erdenken kan! [11] O wie gar begirlich si in under sin minneklich antlút an blikte alz in den spiegel goͤtlicher wider lúhtunge, alz in die claren sunnen ewiger gleste! [12] Si straffet sich selber umb die verluste, umb die verwarlosunge, umb die versumu ng, die geschehen was, umb die missehuͦte, die Josep getuͦn het, und nam ir kint fúr sich in den wege und fuͦrt es ze Nasareth. [13] Und wa es us dem wege trǎt und us dem fuͦs pfat entwaich, do hangte si im nach und Josep mit ir und entwichent im fúrbas nie mit guͦtter huͦte. [14] Lucas sprichet in sinem ewangelio: 'Er was in undertǎn und wuͦchs in wishait, in alter und in gnaden bi got und den menschen.'


54

[1] Nach den zwelf jaren belaib Maria achczehen jar bi irem sun Jhesu und darinne starb Josep und kom Maria in ires sunes pflihte, bis er drissig jar alt wart. [2] Do Jesus drissig jar ǎlt wart, do geschach ain brútloffe ze Cana Galilee, alz Johannes schribet in sinem ewangelio, und waz Maria da bi. [3] Da zerran wines und sprach Maria zuͦ irem sun: 'Si enhant nút wines.' [4] Si wiste wol daz vermúgen ires sunes und darumb sprach Maria zuͦ den dienern: 'Waz er úch tuͦn haisse, daz tuͦnd.' [5] Und da wart win us wasser und was daz erst zaichen, daz Jhesus tet vor siner muͦter und vor sinen júngern.


55

[1] Wisse ǒch, du minende sele, daz wir in allen ewangelien und in allen epistelen nit me vinden, daz únser frǒw ie me geredet hab denne ze vier malen. [2] Ainest, mit dem engel Gabriel in dem engelschen gruͦcz. [3] Daz ander, mit ir muͦmen Elisabehten, do si sy gruͦcz an dem gebirg, do si den 'Mangnificat' núwes machet und ǒch bettet. [4] Daz dritte, mit Jhesu, do si in verlorn het bis an den dritten tag. [5] Daz vierde, in dem brútlǒffte, da Jhesus wasser ze win machet. [6] Und nút me vindet man in allen ewangelien und epistelen. [7] Davon solt du, minende sele, ain solich lere lernen bi Marien swigen, alz ǒch Bernhardus sprichet: Daz swigen rainget die zungen von allen súntlichen worten und torehten worten, von úppigen und lugenhaften worten und muͤssigen und spoͤttigen worten, von haimlichen und rúwigen worten, daz alles von swigen halten vernihtet wirt. [8] Us der materi von worten het dich wol geleret der sibende alte vor mir.


56

[1] Maria gewan úber allen mentschelichen sinne grǒs froͤde, do si kǒm in irs sunes Jhesu Cristi pfliht und huͤte und do si hoͤren wart sin lere, sin wishait, sin goͤtlich kunst, sin wunder, sin zaichen, die er tet úber win us wasser, die er tet úber siechen und toten, die er tet úber lammen und blinden, die er tet úber usseczig und die mit dem boͤsen gaist behaft warent, und do er mit trukenen fuͤssen uf dem mer gieng. [2] Si frǒwete sich ǒch von allem irem herczen und sele, do si sach und horte und enpfand, daz im alle creaturen gehorsam warent und undertǎn; und sunderlich do in sinem tuͦffe sich der himel uf tet ob im und der hailig gaist sich ob im erzaigte und sines ewigen vatters stimme gezúgnúste von im gabe. [3] Und darnach verwandelet sich Jhesus uf dem berg vor sinen júngern, do sin anlút clǎre wart alz die sunne und sine klaider wisse alz der schne, und die vaͤtterlich stime sprach zuͦ im: 'Hie ist min geminter, an dem ich mir ain wol gevallen hǒn', und darnach in dem tempel vor allem volke die goͤtlich stime úber in sprach: 'Ich hon in gekleͣret und wil in aber kleͣren.' [4] Sich moͤhte ǒch Maria mer úberflússeklich froͤwen, do ir sune sinen erwelten gab sich selber zuͦ ainer frǒne spise, darinne si daz ewige leben moͤhtent vinden und gewinnen. [5] Do si daz alles wiste von dem hailigen ewangelio und ǒch mer wunder, danne alle dise welt geschriben kúnde und gesagen und betrahten, mag man von Marien wol billich scheczen, daz si were ain muͦter aller selden und gelúckes, ain gebererin alles hailes und eren, ain frǒwe aller gezierde und lobes und ruͦme und wirdekait, ain usbunt úber alle creaturen und die aller wirdigeste nach got in himelriche und uf erde. [6] Also si got usserwelt het nach dem aller besten, so ieman erdenken kan.


57

[1] Darnach, wie si daz scharpf liden mit im laid bis in den tǒt.


58

[1] Minnende sele, schribe ǒch in din hercze vast von mir zwelften alten daz scharpfe und bitter liden und mit liden, daz Maria het in ires sunes Jhesu Cristi liden und marter von anevang bis an daz ende, dem kain liden moͤhte gelichen. [2] Von dem sprichet Damastenus: Daz liden, daz Maria in irs kindes geburt erlǎn wart, alz ander frǒwan hǒnd von angeborner nature, daz het si in mit liden der gebresten irs lieben kindes, won zehant do es geborn wart, do muͦste si an im sehen und liden frǒst und kelte, hunger und turst, armuͦt und ellende herberg, hert ligen und sorglich slǎffen und wachen, vorht und schrekcen, kumer und arbait und hicze und ander menigvaltige noch grǒsser nǒt und herczen klúpfe, daz Marien vil angste machet an irem herczen und gemuͤte. [3] Daz sprichet der und ander lerer vil mit im. [4] Es wart nie gesehen, sprichet Anshelmus an ainer bredige, groͤsser liden von kainem menschen, denne Marien smercze waz mit dem liden ires sunes Jhesu Cristi, won von dem tage, und si in gebar, bis an daz zit, und er von dem tode erstuͦnd, wart si nie ǎne besunder sorge und vorhte und liden, won ir hercze wart zemal verwundet, do er besnitten wart und si daz zart unschuldig bluͤtlin vieng in ir tuͤchelin und das behielte fúr ain grǒssen hort und schacze. [5] Ir hercze erstarb und alle ir nature erbidemet, do ir Symion wissaget in dem tempel, daz ain swert ir hercze durchdringen soͤlt. [6] Und do er noch denne sǒge in siner zarten kinthait megtlich brúste, moht er nút sicher sin der durchehtung Herodes - es wurde Maria (und Josep ) gewarnet von dem engel, daz si in fuͦrte in Egipten lant. [7] Also vieng Maria daz muͤterlich hercze an ze liden in siner jugent. [8] In Egipten lant vorhte si Jhesu dike under den haiden, die darinne warent. [9] Hercze laide het si, do si in verlor in dem tempel bi den zwelf jaren. [10] Maria wart dik und vil durchliten und verseret durch alle ir kraft, do ir sun Jhesus ane vieng ze predigen und die juden im sin lere verkerten und verwurffen und die gelichsener und schriber sine zaichen vernihten und in vil dike verstainet wolten hǎn und in in vil wise versmaͤhten und im allez sin leben verkertent. [11] Aber do Maria vernam von ires sunes lere und horte von sinem munde, daz er gevangen solt werden und verspiet und gegaislet und gecrúczeget, alz daz ewangelium seit, do wart Maria geseczet in bitterlich hercze laide vor allem laide.


59

[1] Josephus schribet an dem buͦch der alten ee, do Jhesus Cristus an der mitwochen an dem hohen donrstag urlǒb nam von sinen júngeren und von siner lieben muͦtter Marien, daz in do Maria bǎt in dem huse Marie Magdalene ze Bethania mit grǒssem ernst und aller begirde ires herczen und mit betruͤbtem gemuͤte und vestem wainen und mit allem dem flisse und si mohte erzoͤgen und erzúgen, daz er sich des lidens erlies, so welt si gern fúr in sterben und libe und sele fúr in geben bis in den tǒd.


60

[1] Do die edel kúnigin und die himelsche kaisserin Maria erst vernam, daz Jhesus, ir sun, gevangen wart und sin júnger alle von im geflohen waͤrent, do engieng ir alle ir krǎft und entwaich von ir ir gaist. [2] Do si aber vernam, daz er hert und starke gebunden wart und unstuͤmklich ǎne alle erbermde fúr Annam und Kaypham und Herodem schemelich gefuͤret wart, do entwichent ir alle ir sinne und ir varwe. [3] Do si aber vernam, daz er in Pilatus hus und gerihte geurtailet wart, do erbidemet und ercidert sterklich aller ir lib und irú gelider. [4] Do si aber hort, daz er gegaiselet und gekroͤnet wart, do stuͦnd in ir sele solich liden und jamer und smerczen uf, daz muͦtterlich hercze grǒser liden und not nie gewan noch fúrbas gewinen mag. [5] Do si aber vernam, daz man im sine ǒgen verbunden het und man in spotlich und hert und vast und vil sluͦg und in schemelich verspotent und die juden starke schrúwen: 'Heb uf, heb uf und crúczge in und crúczge in, er ist schuldig des todes', do viel Marien libe und sele in soͤlich unmenschlich liden und angst, daz Hildefonsus sprichet an dem buͦch der hailigen wonung der gothait, daz Maria vil und vil ain groͤsser martrerin was, denne kain mensche uf erde werden mag, won si hett Jesus als gar zemal adenlich in ir sele gebildet und getruket, daz ir sin liden vil me ungemaches brǎht und schaͤrpfer was in ir verbildeten edelen sele, denne ieman uf erden geliden mag an dem libe, zuͦ dem, daz si durchlitten was an allem iren libe in kreften, in gelidern, in sinnen und in aller ir nature. [6] Do wart ir Simiones swert nút allain durch ir hercz und sele gedrungen, es trange ǒch in si beide. [7] Darnach vernam Maria, daz Jhesus, ir sun und únser herre, verurtailet wart zuͦ dem tode und im daz sweͣre crúcze uf geleit wart uf sinen ruken und daz truͦg uncz zuͦ der stat Calvarie und daz er enbloͤczet wart aller siner klaider und grimeklich und herte an daz crúcze genegelt wart und uf unbeschaidenlich in die hoͤhe gerihtet wart. [8] Davon solich bitter und scharpfe liden uf stuͦnd in Marien menschait, weͣre es múglich gesin, so welt si vil lieber ze hundert malen erstorben sin, denne solich sweͣre ungemach und unseglich pin liden an irem erwelten und aingeborn kinde.


61

[1] Maria sach iren aingebornen sune Jhesum vor ir hangen vast genegelt an daz crúcze und hort, wie sin die juden spotteten und wie er si sant Johannes bevalhe, sprichet Crisostomus: Es was ain wunder, daz Marien hercze do zemal nit spielte in vil stúklin, do ir geben wart der kneht fúr den herren, der ritter fúr den kúnig, gottes gewúnster sune fúr gottes natúrenlichen sune. [2] Daz sprichet der und hillet mit im Bernhardus.


62

[1] Es sach Maria iren aingebornen sun vor ir hangen in aller krǎftlosekait und in aller krankhait, daz er des bluͦttes mit enander zerrunnen waz und ersigen, daz ain bluͦtes trǒpf nút in im beliben was, und hort, daz er mit grǒssem achczen und ruͤffen und laitlichem schrien, daz er sinen gaist bevalhe in sines vatter hant und gewalt, und sach, daz er sin hǒpt naiget an daz frǒne crúcz und verschied. [2] Do besaige si in aller kraftlǒse in lib, in sel, in hercz, in gemuͤte, in aller geswindunge und krǎftlǒse wise, die ieman erdenken kan. [3] Do was es do zit, daz jamer und not und hercze laide und smercze, senden, clagen und betrúbnúste, scharpf liden und ach und we und angste und bitterkait me uf stuͤnd in aller ir nature, denne aller menschen vernunfte kúnde betrahten und reden und gedenken, won disem laid wart nie gelich gesehen noch gehoͤret, daz in Marien persone sich do erzǒget und enpfand. [4] Darnach, do die ufenthalt des hailigen gaistes kreftig vermúgenlichait in die betruͤbten Maria worhte, do vieng si an ze betrahten in irem herczen, daz si vor úbrigem laid mit mund nit moht reden, und klagte dis klage, die Alexander Nekan schribet an dem ersten buͦch, daz er gemachet het úber der minne buͦch, durch den es der hailig gaist geredet het, und hillet mit im Bernhardus, Hildefonsus, Ysiderus, Wilhemus, Jeronimus, Ambrosius, Ernaldus, Paulus und Hugo und ander lerer zemal vil, die von únser frǒwen sant Marien klage geschriben hond mit grǒssem ernst.


63

[1] Es sprach Maria in irem gaist und betrahtung ires herczen dise klage: 'O ir menschen alle sehent und hoͤrent und merkent, ob iemands smerczen und hercz laide groͤsser si, denne min smercze ist. [2] Wer git minen ǒgen nun trehen, daz ich naht und tage gewainen múge, won aller der trǒst, den ich ie gewan, der ist mir laitlich verwandlet in allen den untrǒst und herczliche bitterkait, den kain mensche von muͦter libe ie gewan und fúrbas iemer me gewinnen mag. [3] Alle dise welt helfe mir klagen iren schoͤnen herren, der nun alz gar ungeschaffen worden ist, daz in nieman erkennet. [4] Alle creaturen helfent mir verwaiseten und ellenden muͦtter klagen, daz ir schoͤpfer alz ungestalt worden ist, alz ob er mensche nie worden weͣre. [5] Des ewigen gottes hort und schacz ist unschuldeklich verrǎten und verkouft und mir entfroͤmdet nach allem trǒst. [6] Goͤtliche gerehtekait ist verurtaillet in den tode umb unschulde vor dem súntlichen richter, und der nie súnd tet noch tuͦn moht, der ist fúr alle súnder erstorben. [7] Die ewig wishait het gesptt und unfuͦr gelitten und ist gescheczet fúr ain toren. [8] Ere und zuhte ist stark und hert gegaislet. Rainkait ist verspuwen. [9] Gottes magestat ist gedemuͤtiget. [10] Gottes krǎft ist gekrenket. [11] Der alle creature klaidet ist gebloͤsset. [12] Der kúnig himelriches und erden ist mit ainer dúrninen krǒne scharpf durchpinget. [13] Die almeͣhtikait gottes ist hert genegelt. [14] Der allen creaturen spise in suͤssekeit git, der ist gedrenket mit bitter gallen, und daz ewig leben ist erstorben vor minen ǒgen. [15] Welhes menschen hercze mag nun alz gar hert sin, daz mir nút helfe klagen mines aingebornen kindes scharpfen unschuldigen tode und er doch kaisser waz aller menschen und doch die sunne mit liden mit im und mit mir het, daz si iren schin verlúret und der mǒn erblaichet und die stain zerspaltend, die greber sich uf tuͦnt und die tǒten her us kument und der umbhang des tempelz sich zerrisset? [16] Ach und ach, erkenent und sechent alle, wie mir laid úber laid unseglich vil und me won vil und mer zuͦ wallet! [17] Es wart nie menschen herczen jamer und betruͤbte und smerczen groͤsser, denne alle min menschliche persone von innen und von ussen durchlitten ist. [18] Ach du ainiger userwelter trǒste mines herczen, ich gebar dich wider froͤwelich nature in aller froͤde und ǎne allen smerczen, darumb dringet mir din scharpfer tode durch alle min krǎft. [19] O du suͤsser und schoͤner gottes sune, warumb gist du mir nút vermúgent fúr dich ze sterben? [20] Wie naigest du senlich din gekroͤnet hopt und verseret und verwundet hǒpt tot gegen mir, daz ich dik und vil froͤlichen uf miner brust gewalket hǎn. [21] Din krǎft und leben ist dir gar entwichen. [22] Din sunnen glestig stirne ist mit blǎwen und blaichen vermúschet. [23] Din schoͤner anblike ist gar verblichen. [24] Din gesternoten ǒgen sind mit wainen und swais und bluͦt erblindet. [25] Din suͤsser munt ist mit gallen verbittert. [26] Din rǒsenfarwen wangen und din helfenbainin wisse nase ist alles verswelket. [27] Din minnericher anblicke und antlút ist alles mit bluͦt durchverwet. [28] O hercze ainiger trǒst mines verdorben gemuͤtes, wie gar kleglichen din suͤsse stime het geschruwen, geachczet und gesúfczet bis in den tod! [29] Wie gar verdorbenlich sind dir vergangen din sinne, da mit du mich und alle die welt menigvaltenklich getrǒstet hest! [30] Was hest du unschuldiger sune getuͦn, daz ich daz an dir liden sol, daz die súnder dich also toͤtent, dinen lieplichen lip alz gar ǎne alle erbermde durchmartern und dir din minneriches hercze mit scharpfem sper tuͦnd durchgraben? [31] Sol darumb nút Simiones swert durchdringen min hercze, min gemuͤte und min sele und alle min kraft? [32] Ach, ach und ach und we, was pfile und schosse min betruͤbtes hercze durchverwundent und min jungfrǒwenlich ere durchsnidet und pingent! [33] Wa wart groͤsser jamer und frevel ie gehoͤret und gesehen, daz gottes sun von súndern und durch súnder willen wolt durchlitten werden also, daz an allem sinem libe kain gancz stat solt beliben, alz Ysaias von im gewissaget hett? [34] Sun und hort miner und schacz und uffenthalt aller der welt, si hand dir dine zarten gelider zerspannen, din aderen und arme zerdenet und zerspannen, din hend und fuͤsse durchnegelt und durchloͤchert, din gebain durchtengelt und durchbengelt und zerknústet alle din snewissen hute und alles din flaisch durchseret und durchverseret, durchgraben, durchverwundet also vast ǎne alle erbermde, daz von diner hǒpt schaitel bis uf die solen gancze stat nút enist. [35] O der schoͤnen roten beche, die von dinen wunden menigfalt geflǒssen sind! [36] O der vergoͤtteten roten ruben diner bluͤcz tropfen, die alz gar witte zerstrǒmet sind und verreret, won us dinen ǒgen fliessent trehen der erbermde, us dinem libe der swais der angsten, us dinen aͤdren daz bluͦt der abweschunge aller únser súnden, us diner siten daz bluͦt und wasser aller hailikait bestetigunge. [37] Ach mir laidigen muͦtter, wenne ich dich hercze ainiges kint lebendig gehaben nút enmoht, moͤht ich denne alle die troͤpfelin dins und mins herczen bluͦtes empfahen in min klaider! [38] Daz weͣre mir nun der aller groͤste trǒst, den ich gehǒn moͤht. [39] Dinen durch wol geschikten und wol geschaffen libe, der was ǎne allen gebresten, sihe ich nun vor mir hangen zwischent zwain schachern durchverwundet und durchseret, durchslagen, durchvermǎset, und weder krǎft noch leben in im nút me ist; und darumb so ist min sele betruͤbet bis in den tode, daz du von ussenen und von innen gelitten hest, me denn kain mensche ie getet. [40] Wer sol mir nun froͤde geben? [41] Wer sol mir nun ufenthalten min leben? [42] Vil lustiger und suͤsser were mir fúr dich ze sterben, denne daz ich ǎne dich sol fúrbas leben, won alz vil du, hercz lieber sune, hest liden und wunden an dinem libe, also vil hǎn ich ellende muͦtter smerczen und wunden an allem minem gemuͤte und in miner sele. [43] Und der smercze sol von minem herczen niemer entwichen, bis daz ich dich, min haile, min selde, min gelúke, min froͤde und aller min zuͦversiht widerumb lebendig sehen werde mit minen ǒgen.' [44] Dis alles schribent die vorgenanten nún lerer und maister: von únser frǒwen klage und ǒch vil me, daz dich, minende sele, billich in Jhesu Cristi liden raiczen sol und ǒch in allem andahte uͤben.


64

[1] Es schribet ǒch maister Alexander Nekam úber der minne buͦch, daz únser frǒwe Maria die tag mit grǒsser klag, mit wainen und súfczen, mit achczen und mit hercze laide, mit jamer und mit smerczen aller maist bi ires sunes grabe belaibe, die wil und Jhesu Cristi sele bi den alt vattern was in der vorhelle, in ze trǒst und ze froͤden und ze sterken an allem guͦt.


65

[1] Darnach von ir froͤde, die si het, do ir sun von dem tod erstuͦnd, und waz si darnach tet, bis si ze himel fuͦr.


66

[1] Ich zwelfter alte lere dich, minende sele, wie gar herlich und lǒblichen Maria durchfrǒwet wart - nach dem grǒssen laid irs suns todes und liden - in siner urstende und was si tet, bis si ze himel fuͦr mit lib und mit sele. [2] Es schribet Anshelmus in ainer bredige von únser frǒwen: Alz vil Maria me durchlitten wart in ires sunes todes, alz vil me het si froͤde fúr alle menschen in siner urstende, do si erkant, daz er alle geseczte des lidens úberwunden het und fúrbas nút me geliden moht. [3] Es was ǒch zimlich und billich, daz Jhesus Cristus siner lieben muͦtter e erschin in siner urstende, denn ieman anders, won si daz aller groͤssest liden gelitten het in sinem sterben, so solt si billich den ersten trǒst hǎn und froͤde empfahen fúr alle menschen. [4] Und darumb, so schribet Ambrosius an dem buͦch von den megden, Jhesus erschaine dez aller ersten siner muͦter Marien, und si sach in und gelǒbt im. [5] In den dri tagen, und Maria bi ires sunes grabe muͤtterlich huͦt und si der dritten naht kam an den berg Syon in ir muͦmen hus, darinne Jhesus Cristus sinen jungern ir fuͤsse geweschen het und sinen hailigen frǒnlicham geben het, kam Maria ze mitter naht in ainen grossen jomer und sennen nach irem sune Jhesus, wie si in begirlichen in menschlichem leben gesehen mohte, alz santus Anshelmus schribet an ainer bredig und Alexander úber der minne buͦch, und zehant in mitter naht, alz balde Jhesus erstuͦnd von dem tode, do erzogte er sich in schoͤner klarhait und froͤlich siner muͦter Marien und sprach zuͦ ir: 'Froͤwe dich, muͦter aller froͤden, won alz ich nach menschait von dinem libe geborn bin, also bin ich von goͤtlicher krǎft von dem tode erstanden und erstirb fúrbas nút me, also du vor von mir an minen bredigen gelernet hest. [6] Und won cristen gelǒbe dis dri tage in dir allain behalten ist, also solt du billich nach dinem grossen liden die aller erste sin, die mich siht in minem glorificierten libe nach allem trǒst.' [7] Dis sprechent die zwen.


67

[1] Es stat geschriben in dem buͦch 'Lucidarius', daz sich Jhesus Cristus siner muͦter erzoͤget in siner urstende klar alz die sunne und in aller froͤde und trǒst. [2] Und schribet Petrus und Damianus an dem buͦch von den gotlichen ampten, daz Jhesus Cristus siner lieben muͦter Marien erlǒbet ze kússen sin munt und sin fúnf min zaichen darumb, daz ir muͦtterliche begirde dester me erfroͤwet wurde und ain froͤde der andren gelich frolocke. [3] Des alles ze ainer sicher bewerunge het die hailig cristenhait geordenet, daz an dem ostertag ain ieglich babst die ersten messe singen sol ze Rǒme in únser frǒwen múnster.


68

[1] Nun merke, du minende sele, wie gar groͤsseklich vast Marien sinne widerbrǎht wurden und alle ir libe und gelider krǎft und trǒst empfieng und ir sele und gemuͤte úber die masse vil froͤde empfant, do si iren aingebornen sun da sach mit siner gothait und menschait in ainem glorificierten libe und untǒtlich mit aller gezierd und schonhait, daz nieman vol ruͤmen kan. [2] Da entwaich ir alles truren und laide und viel ir do zuͦ úber flússeklich aller trǒst und froͤde und wunne ǎne zal vil. [3] Aller menschen sinne und vernunft múgent die froͤde nit gesehen, gescheczen noch verstǎn noch begriffen, die Maria gewan in ires sunes urstend e, sprichet Alexander Nekam úber der minne buͦch. [4] Es was ǒch Jhesus nach siner urstende aller maist bi siner muͦtter, bis er ze himel fuͦr, alz úns die alten historien vil schribent, won er si vil lieber het denne alle dise welt, und redet mit ir ǎne underlǎs von dem ewigen himelriche.


69

[1] Darnach an dem vierczigosten tag, do Jhesus Cristus ze himel varen wolte, do fuͦrt er sin hailig muͦtter Marien uf den Oͤlberg mit sinen júngern und mit andren sinen erwelten frúnden, alz geschriben stat in der zwelf botten leben, und gnadet in und danket in mit aller begirde und mit unseglicher liebú und frúntschaft, die ieman erdenken kan oder mag, alles des guͦttes und arbait und flisse und dienste und zuhte und ere und wirdekait und kumer, liden, sorg und angst, die si mit im vierd halbs und drissig jar in allem andaht geuͤbet het ǎne underlǎs. [2] Und, als Alexander schribet úber der minne buͦch, Jhesus der umbvieng sin muͦter und hielse si sunlichen und kuste si guͤtlichen und sprach zuͦ ir dise wort: 'Von dir, muͦter min und min usserwelte gebererin, wird ich mich in zit noch in ewekait niemer geschaiden. Und ich kum úber kurcze jare widerumb zuͦ dir und fuͤre dich denne mit lib und mit sele zuͦ minem ewigen vatter. [3] Und wirt din uffart alz lobelich alz die min, und wirst denne ewiclich richsen hǎn mit minem ewigen vatter und mit mir und mit dem hailigen gaist. [4] Du wirst ǒch fúrbas ǎne alles liden sin, und waz in himelrich und uf ertrich ist, daz sol dir undertǒn beliben umb daz, daz ich min menschait von dinem libe allain empfangen hǎn, und umb die grǒssen muͦterlichen dienst, die du ǎne zǎl vil mit ernst und andaht und begirde aller diner kreft an mir geuͤbet hest.' [5] Dis schribet alles Alexander und mit im Anshelmus und Hildefonsus an dem buͦch der hailigen gothait.


70

[1] Alexander schribet ǒch an dem ersten buͦch, daz er gemachet het úber der minne buͦch, und redet in únser frǒwen Marien persone also: 'Min aller liepster und suͤsser und schoͤner sun, won du nun von mir varen wilt ze dinem ewigen vatter, so zúhe mich mit dir, won nieman kumet zuͦ dinem ewigen vatter, er werde denne durch dich gezogen. Ander menschen werden gezogen mit zitlicher begirde. [2] Zúhe mich mit diner goͤtlicher suͤssekait, mit diner clarhait, mit diner ewigen zierlichait. [3] Lǎss mich nút hie in disem jomer tǎl. [4] Fuͤr mich mit dir in din vatter lant, daz ich in denne ansehe und in mit dir eweklich niesse, der dich mir zuͦ ainem sun geben het. [5] Ich hon dich enpfangen von dem hailigen gaist; enpfahe mich in din ewig riche. [6] Ich hon dich gezwiget us minem jungfrǒwenlichem und megdelichem libe; veraine dich mit mir in der pflanczunge der hailigen drúvaltikait. [7] Ich hon dich gespiset mit megde milch; spisse mich mit diner goͤtlichen suͤssekait. [8] Ich hon dich geklaidet mit der menschait; klaide mich mit himelscher schonhait. [9] Ich hon dir gedienet uf erden mit allem flisse und mit muͦterlicher trúwe; lǎsse mich mit dir niessen in himelrich die ewigen clarhait. [10] Din scharpf und bitter liden was dir und mir gemain. [11] Du hest dinen lip von mir empfangen; lǎs mich din gothait eweklich mit dir nuczen und niessen. [12] In disem zit ze belibene ǎne dich und ǎne din gegenwúrtekait sind mir alle ding pinlich; mit dir ze wonen in dins vatter rich hon ich alles, daz min hercz begert.' [13] Do antwurtet Jhesus Cristus siner muͦter also, Alexander schribet: 'Nim war, ich kǒme schier dich zuͦ mir ze nemen mit libe und sel, und gib mich dir und lǎsse dich mich ze lǒne niessen in dem wolgeluste der ewigen und seligen drivaltekait und in dem rich mines ewigen vatters.' [14] Dis alles schribet der in dem vorgenanten buͦch.


71

[1] O wie gar froͤlich waz daz muͦterlich hercz, do si do zemal sach die himel entsliessen, und si horte die engel singen froͤlich und sach, daz der von irem megdelichem libe geborn was in siner aigen kraft mit ainem glorificierten lip uf fuͦr úber alle himel und mit im fuͦrte aller hailigen vaͤtter selen der allten ee und allain geseczet wart zuͦ der rehten hant sines vatters in mitten in die hailigen drúvaltikait, won die froͤde kan nieman vol ruͤmen. [2] Darnach gieng Maria widerumb in daz hus und vieng an ze betten, bis ir der hailig gaist kam an dem zehenden tag in dem selben hus. [3] Wie wol aber daz were, daz Maria gehailiget wurde in ir muͦtter libe und ǒch darnach aber gehailiget wart mit dem hailigen gaiste in ires suns enpfahunge, noch denne wart ir gesant an dem hailigen pfinst tag der hailig gaist ze ainem urkúnd, daz si in aller hailigen volkumenhait ain úbertreffender usbunt were úber alle creature, won es sprichet santus Johannes in der tǒgen buͦch: 'Der hailig ist, der werd noch hailiger me und me', und darumb so empfienge si mit den zwelf botten herlicher und inneklicher, vernúnftklicher und seleklicher den hailigen gaist denne ir enkainer, darumb daz si bas darzuͦ geordenet was denne alle dise welte, sprechent die maister goͤtlicher kunst.


72

[1] Nach dem, und die hailigen zwelf júnger den hailigen gaist empfiengent und empfangen hettent, da belaib Maria in dem selben hus, darinne si in enpfangen het, mit ir wonung und uͤbet sich ǎne underlǎs in ainem schǒwenden leben, als Ygnacius und Miletus schribent und der alten maister vil, und gieng dike und vil an die stet, da si iren sune Jhesum empfangen het, geborn het, da er getuͦffet wart, gecrúcziget wart und begraben wart und da er gebettet het und vor den júngern verbildet wart, da er ze himel fuͦr und an vil andren stetten, da er gewonet het, und die wisse ernúwert si dike und vil in irem gemuͤte. [2] Und an die stet alle gieng mit ir sant Johannes, der geminte júnger, und die hailigen frǒwen, die bi ir woneten, bis si mit libe und sele ze himel fuͦr. [3] Dis schribent alles die zwen und hillet mit in Jeronimus an der bredige von únser frǒwen uffart und Beda in dem buͦch von Salomes tempel.


73

[1] Andreas, ain bischǒf von Jherusalem, schribet von únser frǒwen, daz Maria vil fuͤs stapfen druket mit iren knúwen, wa si bettet, im ertrich und in staine, alz an der stat bi der krippen und bi dem crúcze und grabe und an dem Oͤleyberge, und die fuͦs stapfen stond noch bis an dem húttigen tag. [2] Er schribet ǒch, daz Maria alz gar liep und wert was allermenglich, nút allain den cristen menschen, die ir sun Jhesus und sin junger bekeret hettent ze cristam geloben, joch juden und haiden erbuttent ir zuhte und ere und tatent ir kain smachait, won si hettent si fúr ain hailig creature. [3] Er schribet ǒch von ir in dem buͦch, daz er von ir gemachet het, daz Maria die boͤsen gaist vertraib von den besessenen menschen und die siechen gesunt machet und vil grosser zaichen tet und witwen und waissen trǒst und arme lút gar guͤtlich und frúntlich handlet und me ain himelsch leben uͤbte denne ain menschlich leben. [4] Daz sprichet der von wort ze wort in sinem buͦch. [5] Anshelmus frǎgte an ainer bredige, warumb Maria des tages mit irem sune nút ze himel fuͦr, do er da hin fuͦr, und antwurte also: Got der hǎt Marien besunder ere gesparet zuͦ ir uffart fúr alle creaturen. [6] Und alle die wirdekait, die Jhesum Cristo in siner uffart geschahent, die sond ir ǒch geschehen und noch vil me. [7] Aber daz verziehen was Marien kain verdriesen, won got waz in ir ǎne underlǎs und si in got in aller minne, und darumb so wolt er ir in dem himelrich beraiten daz leben, daz si in dem zit het ain gancz sicherhait. [8] Und die froͤde, die Jhesus besessen het bi sinem vatter, het si in ganczer zuͦversiht ires herczen ze besiczen bi irem sune. [9] Marien beliben nach ires sunes uffart was notdúrftig, sprichet Alexander úber der minne buͦch, darumb, daz si die kranken troste und starkte an cristem geloben, die ainvaltigen wiste und lerte, die trurigen trǒst und die durchehten gesterkte und vil ander wunder fúrbrǎhte, daran si got sunder versehen het.


74

[1] Ambrosius úber Lucas ewangelium und Faustinus an ainer bredige von únser frǒwen die schribent beid, daz Maria alz gar ain vernúnftig verstǎn het in aller goͤtlicher geschrift, daz si zemal wol kunde die alten ee und die núwen und alle propheten betúten wol und alle buͦch wol verstǒnd, und daz lerte si die zwelf júnger und ander guͦt cristen, die an ires sunes predig bekert wurdent, alz vil si mohtent. [2] Aber Bernhardus und Beda schribent beid úber Lucas ewangelium: Was die vier ewangelisten aller maist húbscher und verborgner sinne geschriben hond, daz ist alles geschriben von únser frǒwen munde. [3] Es waz nieman da bi, do ir Gabriel den gruͦcz brǎht und do si gottes sun enpfieng und do si in gebar und do die dri kúnig kament und do si in in den tempel opfert und in in Egipten lant flochte und herwider brǎht und do si in in dem tempel verlorn het und wider vand und under dem crúcze vil woͤrter geredet wurdent und an andren stetten - daz alles Maria leret nach irs sunes uffart und tot schriben allain die hailigen vier ewangilesten. [4] Alexander und Hildofonsus sprechent, es was Maria alz gar kúnsterrich in aller goͤtlicher geschrift, daz si gelernet het von ires sunes lere und ǒch von dem hailigen gaist, daz si alle keczerlich lere verwarf und vertilget in iren ziten nach irs sunes uffart und bekerte vil volkes zuͦ cristem glǒben und erlútert mit ir wishait den zwelf botten ir lere und flussent die goͤttlichen woͤrter von irem munde alz der suͤsse balsam smake. [5] Und alle die si hortent und sahent, die hettent an iren worten und leben und wandel ain herlich und goͤtlich wol gevallen, won man sach und enpfande an ir alle die hailikait, die ieman kan erdenken, in der got ain wol gevallen het. [6] Anshelmus sprichet in der úbertreffender bredige von únser frǒwen: In Cristo was verslossen alle gottes wishait, gottes kunst, gottes krǎft. [7] Do aber Cristus sin menschait von únser frǒwen lib enpfahen wolt, do gab er ir sin wishait, sin kunst, sin krǎft alz gar úberflússeklich, daz si die aller kúnsterrichest wart úber alle creaturen, alz es billich was.


75

[1] Do Ignacius vernam von der grossen wishait und hailikait und goͤtlichem leben, daz Maria ǎne underlǎs uͤbte und da mit vil menschen zoh zuͦ dem ewigen leben, do begert er von ir ain hilflichait und ain bestetigunge ze wissen cristenlicher warhait und erlúhtung des glǒben. [2] Do schraib im Maria ainen soͤlichen brief: 'Ignacio, dem geminten júnger, ich demuͤtige dienerin Jhesu Cristi. [3] Also du gelernet und gehoͤret hest von sant Johannes von Jhesu, minem sune, daz ist war. [4] Du solt es alles gelǒben und sterklich halten ǎn allen zwifel und solt im leben mit wise, mit worten, mit werken, mit gedenken, mit guͦttem bilde. [5] Und la dich weder betruͤben noch erschreken die durchehtunge der viende und halt guͦt zuͦversieht und frǒwe dich in dem gaist des hailes dines gottes, so ist got mit dir', also schraib Maria.


76

[1] Die maister von kriechenlant schribent, daz Dionisius kom ze Jherusalem nach Jhesu Cristi uffart und bat Johannem, únser frǒwen pfleger, daz er im zǒgte Mariam, gottes muͦtter. [2] Do fuͤrt er in in daz huss, da Maria inne wonet, daz ir der Johannes Ewangelista gekuͤft het, ir und ir swester, die Johannes muͦter waz. [3] Und do Dionisius Mariam ansichtig wart, do geviel si im alz gar úber alle massen wol, daz Dionisius sprach mit grǒssem ernst und begirde sines herczen: 'Gelǒpt sige min maister Paulus, der mich underschaid geleret het goͤtlicher wessenhait und creaturlicher geschoͤpfte. [4] Ich het anders angebettet Marien fúr minen got von der úbertreffender klarhait und schoͤne, liplicher zarthait und hailikait, die got manigvalt an si geleit het, und rǎt dir, Johannes, daz du si fúrbas kainen unerkanten menschen niemer lǎssest sehen, daz ieman an ir verapgoͤtet werde von der loblichen wisse, die an ir lit.' [5] Daz sprechent und schribent die maister von kriechen.


77

[1] Es bewerent die maister goͤtlicher kunst, daz Maria in irem leben enpfienge die súben hailikait alle, darumb daz si da mit ergerunge und argwan miden und entfliehen wolt und ǒch darumb daz si die gebotte ires sunes Jhesu Cristi erfúllen wolt, ǒch darumb daz si die demuͤtikait erzǎigen wolt und ǒch darumb daz si iren lon und ir verdienen úberkomen wolt und cristen glǒben erzoͤgen und besterken wolt und alle ander volkumen menschen an die súben hailikait wisen wolt und ǒch, daz ander menschen ir súnde damit vertilgeten und vertriben, und ǒch darumb, daz die keczer út wonden, daz Maria ain engel were und nút ain mensche, noch irs sunes gebott und geseczte út felschte und versmahte, und darumb so liesse si der súben hailikait kainen under wegen, die si von reht enpfahen solte.


78

[1] Si wart getuͦffet von irem sune Jhesu Cristo, als Engelbertus schribet von ir an ainer bredige, won Jhesus Cristus sprach in dem ewangelio: 'Es si denne, daz ir widerumb geboren werdent in dem gaist und in dem wasser, so besiczent ir daz riche gottes nút.' [2] Er sprichet ǒch: 'Der gelǒbet und getuͦffet wirt, der wirt behalten.' [3] Und darumb so wart Maria getuͦffet, daz si erfulte ires sunes lere, und ir gedruket wurde in ir sele daz cristenlich zaichen, daz da haiset karachter, da mit wir an dem jungsten tag erstǎn muͤssent alz cristan menschen. [4] Jhesus Cristus wolt getuͦffet werden und da mit cristan gelǒben anvahen, und darumb wolt er der gnaden ǒch gúnnen siner muͦtter alz allen sinen zwelf botten.


79

[1] Maria wart gefirmet von dem hailigen gaist und da mit bestetiget in allen guͦten werken. [2] Mit firmung wirt der mensch ain bestetiget cristan und davon so sprichet Rabanus: Ain ieglich cristen mensch wirt gefirmet von des bischǒffes hant, daz er den hailigen gaist enpfahe. [3] Und won Cristus der aller hoͤhst bischǒf waz, so was im ze firmen sin hailige muͦter in alle bestetunge hailiges lebens.


80

[1] Wie wol daz were, daz Maria nie kain súnde getet, so bihtet si noch denne sant Petern alz dem ersten babst. [2] Aber kain súnd bihtet si nút, sunder me verjach si im gehorsame der cristenhait und der manigvaltige guͤtet, die ir got verlúhen het, und daz was ir bihte und ruͤmte ǒch got darumb mit ernst. [3] Maria enpfieng ǒch gar dike den minrichen frǒnlicham ires aingebornes sunes Jhesu Cristi von irem geben und gewúnsten sune und pfleger Johannes Ewangelisten henden darumb, daz ir lone gemeret wurde, ir minne gegroͤssert, ir lobe und ere und ires sunes gebraitret, daz liden irs kindes in ir ernúwert. [4] Ǒch daz ir sun gesprochen het: 'Wer mich nússet, der emphahet daz ewig leben und belibet in mir und ich in im' - der ainung wolt Maria sich nit ǎnen noch ledig stǒn.


81

[1] Maria empfieng die hailigen ee, do si Josephen gemehelt wart; und geschach darumb, alz Ambrosius und Origenes sprechent, daz dem boͤssen gaist verborgen wurde, daz got vermenschet wolt werden und ǒch, daz Josep Marien diensten in allen sachen verbunden were, von der er doch wol wiste, daz si in mit elicher wise nút bestuͦnd.


82

[1] Maria wart ǒch gewihet alz die priester werdent, daz si Jhesus Cristus fronlicham in die specie des brottes verbildet und mit den kreftigen worten Jhesum Cristum von himelrich herab bringet. [2] Aber Maria wart darzuͦ gewihet mit der kreft der hailigen drivaltikait, daz si mit ir gunst von himelrich herab zuͦ úns brehte und ǒch zohe den, mit dem alle priester fúrbas bekúmert sind.


83

[1] Maria enpfieng ǒch den jungsten tǒffe von den hailigen zwelf jungern, do ir got ruͦfte zuͦ dem ewigen leben, won het si daz nút getǎn, so were ain grǒs ergrunge von ir uf gestanden under den cristen lúten, die si geleret het. [2] 'Ǒch der alle gebotte haltet und nun aines zerbrichet, der ist an in allen schuldig', sprichet die hailig geschrift.


84

[1] Und darumb wolt si geoͤlyet werden ze ainer voller hailikait und zuͦ besliessunge zitliches leben, fúr gebresten des todes we und fúr laide sterben und ze ainem glorificierten libe ze empfahent,alz die lerer sprechent in goͤtlicher kunst und warhait. [2] Und darumb so wolt Maria die súben sacrament empfahen, daz si sich erzoͤgte fúr den aller volkumensten cristen menschen, der in zit ie kam noch fúrbas kumen mag nach irem sune, won in ires sunes tode wurden die súben sacrament alle bestettiget.


85

[1] Hie nach, wie si ze him el fuͦr und da herlich enpfangen wart und da mit flisse und ernst fúr úns bittet, daz wir ǒch da hin kument.


86

[1] Wie nun Maria von disem zit verschied und mit libe und mit sele ze himel fuͦr und da empfangen wart und got ǎne underlǎs fúr úns bittet, daz sol ich zwelfter alte dir, minende sele, nút under wegen lǎn, daz dich da hin jamer, daz si besessen het.


87

[1] Do Maria nach dem aller besten gottes lobe vollebrǎht, alz da vor geschriben ist, und si nach ires sunes uffart lebte vier und zwainczig jare, als Epikanus schribet - aber die alten buͦch sagent von sechzehen jaren, aber die maister in goͤtlicher kunst sagent, daz si nút lenger uf erden was nach Jhesum Cristi uffart denn ix jar; daz sprechent ǒch der alten juden maister vil und ist ǒch daz aller maist ze halten.


88

[1] Jeronimus schribet in dem buͦch von únser frǒwen uffart und ufgang, daz Maria xv tag vorhin wiste ir verschaidung und in welher stund si mit lib und sele solt ze himelrich varen. [2] Aber Alexander Nekam sprichet úber der minne buͦch, daz Maria sider ires sunes uffart ie und ie wiste ir ende diz zites, darumb daz ir es die engel kunt tatent, die ir ǎne underlǎs bi wonneten. [3] Ǒch daz ir es got dick offenet mit des hailigen gaists insprechen und sunderlich daz ir es Jhesus Cristus sagte des tages, do er ze himel fuͦr. [4] Er schribet ǒch fúrbas und Hildefonsus mit im: Darnach, und sich Maria geuͤbet het uf daz hoͤhste, und sich ieman geuͤben mag an allen tugenden, und dick úber alle menschen vernunfte kam in ain schǒwend leben, daz got selber mit ir redet himelsche wise, fuͦgte es sich ainest, daz Maria zesamen komen hiess alle jungfrǒwen und hailige megde und vil ander gottes frúnde und sprach zuͦ in gar suͤsseklich: 'Nement war, min und úwer froͤde und trost wil sich meren und witeren. [5] Min gewalt und ere wil sich erhoͤhen und ǒch manigvaltigen, won daz zit miner uffart nahet herzuͦ, daz ich den in blǒsser gothait kleͣrlich niessen sol, der in luter menschait von minem jungfrǒwenlichen megtlichen lip wolt geboren werden ǎne alle creaturlich hilfe. [6] Ich frǒwe mich des, daz ich úch von untugent gezogen hǒn und ze tugenden gewiset hǒn, cristen gelǒben geleret hǒn, keczerie vertilget hǎn, die súben sacramente nemlich geoffenet hǎn und was zuͦ dem ewigen leben gehoͤret, daz ich daz alles selleklich geleret hǎn.' [7] Dis alles sprechent die zwen.


89

[1] Es hǎnt vil hailigen bredigen gemachet von únser frǒwen uffart, die man liset in vil kilchen an irem uffart tag. [2] Under den schribent Cosmas und Miletus, der bischof von Sardune: Do Maria ainest het úber alle massen grǒssen begirde nach irem sune Jhesum Cristo , in ze hoͤren und ze sehen und in ze niessen in siner ewigen guͤnlichait nach siner magestǎt, und si wol wisset ir hinvart nahen, daz si von disem leben solt varen in daz ewig leben, do sprach Maria mit begirde ires herczen: 'Min sel ist zerflǒssen, won goͤtliche warhait sprichet in mich im ain nachhengen in daz ewige leben.' [3] Und darnach zehant kǒm Maria in ain grǒs innekait mit got und in ain inwendig begirde nach irem sune. [4] Zehand erschain ir der engel Gabriel in durchsihtiger klarhait und sprach zuͦ ir: 'Frǒwe himelriches und ertriches, din wille sol erfúllet werden an allen dingen, won din sune Jhesus Cristus kumet zuͦ diner himel fart mit allem gewalt, mit allen engelen. [5] Und wirt got daz zaichen an dir volbringen, daz du mit ainem glorificierten lip und mit geseligeter sele kumest uf den trǒn, der da úberschwebet und úbertriffet alle hailigen und alle engeln. [6] Es werdent ǒch alle zwelf botten bi diner schidung sin und vil ander hailigen júnger und gottes frúnde. [7] Vor aller gespenste des boͤssen gaistes wirst du beschirmet und behuͤttet, darumb daz du mit diner seligerichen geburt alle boͤsse gaist úberstritten hest. [8] Die juden muͦgent enhain fraisze an dir erzoͤgen und wirt din uffart vil herlicher, denne dines sunes uffart was, won do er ze himel fuͦr, do begegenet im kaines gottes sune, wenne aber du ze himel faren wirst, so wil er dir selber begegenen mit aller drivaltikait.' [9] Daz schribent die zwen und mit in Jeronimus und Alexander und ander lerer gar vil. [10] Dyonisius, sant Paulus júnger, sprichet in dem buͦch von dem goͤtlichen namen, daz bi Marien verschaidung warent die zwelf botten und vil ander hailigen júnger und predigoten da ir und ires sunes lobe und cristenlichen gelǒben.


90

[1] Maria wart ainest ermanet inneklich an ainem fritag des scharpfen lidens ires sunes und darnach des herlichen trǒstes und gelustes, den er in guͤnlichait des ewigen lebens besessen het, und sprach in ir selber zuͦ irem sune: 'Zúhe mich, kint mins, nach dir, daz wir lǒffen in den lustigen smake aller suͦssekait.' [2] Und zehant, alz in der vorgenanten predige geschriben stat, do erschain ir ir sun Jhesus Cristus und sprach zuͦ ir: 'Kum her, min usserwelte fúr alle creaturen, und besicze den trǒne miner almehtikait. Du hest daz ertrich erfrǒwet mit mir, so wil ich daz himelriche erfrǒwen mit dir. [3] Von der ungestuͤmen welt wil ich dich nemen und dich enpfahen in den himelschen palast. [4] Min ewiger vatter sol din froͤde sin, ich, din sune, sol din trǒst sin und der hailig gaist sol din gelúke sin, din wunne und din hail sin. [5] In mines vaters klarhait solt du durchlúhtet werden. [6] In miner wishait solt du durchlútert werden. [7] In des hailigen gaistes guͤtekait solt du durchklarificieret werden. [8] Min ewiger vatter wil sin ewigen schecze mit dir tailen. [9] Ich, din sun, wil dir min hoͤrde mit dir veraigen. [10] Der hailig gaist wil dir alle himelsche schǒnhait fúr alle creature zuͦ fuͤgen. [11] Des todes wise lǎsse dich nit erschreken, won du bist geruͤffet zuͦ mines ewigen vatters ruͦwe, zuͦ mir, dines sunes bý wonnunge und des hailigen gaistes ersetunge. [12] Da wirt dir geben daz ewig lieht, daz ewig leben, die ewig froͤde und trǒst ǎne ende und die unzergenglich klarhait, darinne du niessen wirst die suͤssen goͤtlichen wesenhait. [13] Und alz ich von dir geborn bin in disem zit, also sol dir fúrbas in ewekait undertǒn sin, daz himelrich und ertrich begriffen het.' [14] Nach diser minerichen und suͤssen rede antwurtet die lieb muͦtter Maria und sprach: 'O min sune, min herre und min got, dir ist berait min lip, min hercze, min sele und alles, das ich bin, und darumb so lob ich dich eweklichen, won aller din wille werde an mir vollebraht und erfúllet, also du wilt, won minen gaist und alles, daz ich bin, bevilhe ich in dinen gewalt eweklichen.' [15] Zehant, als Jeronimus und Alexander sprechent, geschahent die wunder, daz Marien huse mit goͤtlichem liehte und glesten durchlúhtet wart und sich ain fúrin wagen erzaiget vol mit himelschen gaisten und mit schoͤner gezierde, engelen ǎne zal vil und darnach der aller suͤssest smake, des menschen ie empfand, und weret daz bis an den dritten tag. [16] Und in dem grǒssen wol geluste wart gesúndert und geschaiden Marien haͤilige sele von irem beneditten libe, der von got gesegnet ist iemer mer eweklich. [17] Und was da bi got selber und alles himelsche here und alle zwelf botten und ander hailigen ǎne zǎl vil, alz billich was, daz got sin muͦtter erte fúr alles, daz ie wart oder fúrbas werden mag. [18] Daz sprechent die zwen.


91

[1] Es haltent vil maister, daz Maria des rehten menschlichen todes nie ersturb, darumb daz si vor der erbsúnde behuͤttet wart. [2] Durch der erb súnde willen der menschen tode in dis welt kǒm. [3] Do si die erb súnde nie beruͦrte, do wart si vor dem tode verhuͤtet, doch so was ir verschaidunge ain erzaigunge uswendige sinen niessen ain berobunge. [4] Aber inwendig waz ir gaist alz gar tief gezogen in die gothait und in únsers herren haimlichait, daz ir uswendigen gelider und sinne davon nút enwisten. [5] Und daz was got an siner muͦtter alz gar zimlich ze tuͦnde in ir verschaidunge alz an sant Paulus, der bis in den dritten himel verzuket wart, und an Marien Magtdalenen, die die engel ze súben malen in dem tag und naht uf fuͦrtent und lobelich sang mit ir sungen, und Johannes Ewangelista, der ǎne alles we mit lib und sele ǎne zerstoͤrung sines libes geseczet wart ze den hailigen vaͤttern, alz Jeronimus sprichet. [6] Noch vil billicher was es got ze tuͦnde, daz sin muͦter dem liplichen tode entrunne, die den ewigen tode mit ir loblichen geburte zerstoͤret het. [7] Was man únser frǒwen grǒsses lobes mag zuͦ gelegen, daz ist alles billich, und ist irem sune Jhesu Cristo geschehen, alz Jeronimus sprichet und mit im vil lerer.


92

[1] Do Maria, die usserwelt himelsche kaiserin, menschlich lipveͣlle offenet vor den erwelten und lieben frúnden gottes, da wart si von in getragen mit ernst und mit andaht und mit loblichem gesange ze Josaphat ze grabe, alz Jeronimus schribet, und waheten ir da mit aller hailikait bis an den dritten tag alle gottes frúnde. [2] Da geschahent vil wunder und zaichen úber die siechen und toten und ander dúrftigen, der do zemal alle menschen gebessert wurden ǎne zal vil. [3] Dyonisius schribet von únser frǒwen verschaidunge, daz die zwelf botten ǎne ander frúnde gottes in ir verschaidunge von lieb und laid ze mǎl vast wainenten und dike und vil nider knúwenten und sunderlich únser frǒwen lip mit andaht und ernst dike und vil kusten und sich ǎne zal vil daran strichen mit aller begirde und ernst und andaht. [4] Darnach wisse ǎne zwifel, daz die seligen megtde, die bi ir gewonet hettent, den hailigen lip frúntlich mit vil andaht durchwuͦschen - under der hende er sich klare erzogte alz die sunne - und in darnach inwunden in snewisse tuͦcher; und da wurden gehoͤret der engel gesange und wurden gesehen in klarhait manigvalt, und vil liehter erzǒgten sich da. [5] Ir sele kǒm nit in liden noch ir lip in zerstoͤrung. Miletus, der bischǒff von Sardin, schribet, daz die zwelf botten sahent únser frǒwen sele alz gar wise und zarte und clare und alz gar úber alle massen und úber aller menschlich vernunft schoͤn, daz dis kain zung noch munt volle reden mag.


93

[1] Nach únser frǒwen verschaidunge an dem dritten tag - und daz was an ainem sunentag, alz maister Franciscus von Meron schribet in siner bredige, die er von únser frǒwen gemachet het - umb daz zite, alz Jhesus von dem tode erstuͦnd, kam únser herre Jhesus Cristus mit aller goͤtlicher herschaft und mit himelscher gezierde, alz alle únser lerer schribent und ǒch alle únser cristen gelǒbe haltet und singet, und prediget und sprach zuͦ siner lieben muͦtter: [2] 'Maria kum her, min geminte, min schoͤne, min usserwelte, min gemahel, min frǒwe und min liebe muͦtter und min gebererin, und besicz gewalteklichen den herlichen trǒne und daz riche, daz dir eweklich berait ist úber alle creature, won du an mir wirdeklich verdienet hest, daz du eweklich mit mir richsen solt úber himelrich und ertrich alz ain gewaltige kaiserin und gebietterin aller creaturen.' [3] Und zehant nam Jhesus Cristus sin muͦtter mit lib und mit sel und fuͦrt si in daz himelrich und ewig leben als ainen glorificierten und gefrǒnten menschen, mit grǒsser klarhait denne kainem menschen oder alle creaturen ie geben wart noch fúrbas mag geben werden.


94

[1] Von diser uffart schribet sant Augustinus an ainer bredige: Der trone gottes und daz tabernakel des himelschen herren und der tempel Jhesu Cristi und daz hus der hailigen drivaltikait sol billich da sin, da got ist, und sin wonunge ist zimlicher in himelriche denne uf erde. [2] Es schribet ǒch Damascenus also: Man vand nach únser frǒwen uffart in irem grabe ire klaider den cristan lúten ze trǒst, alz man si noch zogte in vil kilchen. [3] Es schribet ǒch Franciscus von Meron : Do Maria ze himelrich fuͦr, uf den selben tag geschah gnade allen den selen, die noch denne menig jar in fegfúre soͤlten gebuͤsset hǎn, daz si mit ir ze himelrich fuͦren, und ǒch alle die, die uf daz zit verschieden in rehtem cristem gelǒben, fuͦrent ǒch mit ir. [4] Únser lieben frǒwen uffart was alz gar úber alle massen herlich, alz úns die lerer lerent, daz ir die dri personen der hailigen drivaltikait mit aller gothait und krǎft und almehtikait gewalteklich begegeneten. [5] Der vatter mit allem gewalte, der sune mit aller wishait, der hailig gaist mit aller guͤtekait und die ewig drivaltikait mit aller goͤtlichen gezierd, alz ir ir sun vorhin gewissaget het und gelǒpt het. [6] Ir fuͦren ǒch engegen die nún koͤr der engel mit aller herschaft und mit loblichem engelschem gesange, ǎne zǎl vil. [7] Alle die selen und libe, die mit irem sun Jhesu Cristo ze himelrich fuͦren, koment ir engegen. [8] Und alle hailigen und was in dem himelrich moht gesin, daz erbot ir sunder ere und wirde, me denne ieman gedenken und gesprechen kan oder mag. [9] Dis sprichet alles Hildefonsus an dem buͦch von der hailigen wonnung der hohen gothait und sprichet ǒch fúrbas, daz da gehoͤret wart von den engeln vil suͤsses gedoͤnes und orgellen, citol, rotten, gigen, pfiffen, busunen und allerlaig suͦsses saiten spil. [10] Daz sprichet der und hillet mit im Anshelmus an ainer bredige von únser frǒwen.


95

[1] Ansbertus schribet von únser frǒwen uffart und sprichet: Daz ist ain hohzit aller himelscher burger, da gottes gebererin von dem ertriche erhoͤhet ist úber alle himel und geseczet ist in daz goͤtlich paradis. [2] Darumb so son wir got gruͤssen und sin muͦter ruͤmen, der die engel mit herlichem lob begegeneten, die der chore der zwelf bǒtten eret und die hailigen martrer seligent und die zǎl der bihter wirdeklich begend und die samnunge der edelen megtden hoͤhent. [3] Und also si die engel uf erden geeret hǒnd, also ist si von in in dem himelrich billich ze eren. [4] Von únser frǒwen uffart sprichet Bernhardus in ainer bredige: Wer mag dis benuͤglich betrahten und gedenken, wie gar guͤnlich die loblich junkfrǒwe Maria und kúnigin und kaisserin aller der welt ist uf gefaren, und wie mit begirlicher andaht von aller mengi und von allem himelschen her si gefuͤret ist in den trǒne der glorie mit loblichem gesange, wie si enpfangen si mit froͤlichem gelust, mit wol gevaller zuͦtetekait, mit lutrem antlút; mit lieplichen umbevengen von irem sune enpfangen ist und herlich geseczet úber alle creature mit solicher schǒnhait, alz der himelschen kaisserinen billich zuͦ gehoͤret. [5] Won do si gottes sune gebar in zit von irem muͦtterlichem herczen und in sǒgte mit iren jungfrǒwelichen brústen und in hiels und kuste in menschait, so was es billich, daz si in gothait mit aller der wirdekait empfangen und geeret wurde, die ieman erdenken kan, und noch tusendstund mere. [6] Alexander úber der minne buͦch sprichet: Eya, wie gar muͦtwilleklich frǒloket gottes sun mit siner muͦtter, do er si froͤlich, mit froͤden, in allem wol gemuͤtte, mit ir froͤde enpfieng in sin ewig froͤde und si krefteklich und vestenklich und erlich geantwúrtet und empfalhe si sinem ewigen vatter und dem hailigen gaist und wolt, daz ir alle himelsche geschleht und geselleschaft die wirdekait erbietten soͤllen, die nieman zuͦ gehoͤret denne got allain und darnach siner aingebornen muͦter.


96

[1] Do Marien uffart so gar úber alle masse herlich waz, do fraget vor wunder der wisse Salomon in dem buͦch der minenden sel und sprach in dem gaist: 'Wer ist die, die von der wuͤste uffaret und úber flússet alle zarthait und geainiget ist úber alle ir geminten?' [2] Zuͦ diser frage antwúrtet alles himelsch her. [3] Des ersten antwúrtent alle koͤre der engelen und sprachent: 'Si ist die, die ain ende und ain zilunge und ain volbringen ist aller volkumenhait.' [4] Die patriarchen antwúrten: 'Si ist die, die da ist ain ursprung und ain gruntveste aller selkait.' [5] Die bischǒff sprechent: 'Si ist die forme und ordenung und regel alles hailigen wandels und guͦtes, bilde tragerin aller der welt.' [6] Die propheten sprechent: 'Si ist die zaichen tragerin aller claren offenbarunge.' [7] Die zwelf botten sprechent: 'Si ist daz himelsche gestirne cristenlicher gaistlichait und gaistlicher zuhte.' [8] Die martrer antwurten: 'Si ist ain widerbringerin und ain aͤrczenie menschliches valles.' [9] Die bihter antwúrtent: 'Si ist daz himelbrǒt goͤtliches schǒwens.' [10] Die megde und jungfrǒwen die sprechent: 'Si ist ain edel gilge aller kúschen rainkait und ain rǒse und bluͦme und krone jungfrǒwenlicher gezierd und aller hailigen in dem gottes riche.' [11] Got der vatter sprichet: 'Si ist die kaiserin, an der ich mir wol gevallen hǎn ze geben in zit min rich.' [12] Got der sun sprichet: 'Si ist min aingeborne muͦtter und gebererin, von der ich min menschait empfangen hǒn, und si nun empfahe in mines ewigen vatters lant, daz si mit mir gewaltige kúniginne si in himelrich und uf ertrich.' [13] Got der hailig gaist sprichet: 'Si ist die gemahel, die ich bestetiget hǒn in allen tugentrichen werken, also daz si nu den prise mit mir tragen sol fúr alles, daz ie geschaffen wart oder fúrbas werden mag.' [14] Die hailig dryvaltekait sprichet: 'Si ist der usbunt úber alle geschepfte, die da under úns drin alz inneklich gehusset het, daz si ains mit úns worden ist, daran si den aller besten taile gewellet het, der ir fúrbas niemer genǒmen wirt eweklichen.' [15] Daz alles hǒn ich zesamen gefuͤget von den lerern manigvalt. [16] Won nieman mag noch enkǎn Marien alz vil eren und wirdekait nút zuͦ gelegen, es si noch denn gar ain klain ding wider daz, daz ir got eren erbotten het, sprichet Jeronimus und ander lerer vil.


97

[1] Maria ist erhoͤhet úber alle koͤr der engel, úber aller hailigen wonunge und ist geseczet uf den trǒn nebent ires sunes rehten hant, da nieman fúrbas uf kumen mag. [2] Won es sprichet Hildefonsus: Alz der clare sunne ist úber alle sternen, alse ist únser frǒwen ere und prise úber alle hailigen und engelen. [3] Únser frǒwen ist verlúhen von der wishait irs sunes und von vaͤtterlicher persone, daz si inneklicher und tieffer gesehen mag in die clǎren gothait, alz kain blǒs und luter creature mag getuͦn, und vil und vil mer. [4] Ir ist ǒch verlúhen von der meͣchtekait ires sunes daz aller edelste niessen in got, dem sich under ir nieman gelichen mag in kainer glorificacione und formunge. [5] Ir ist verlúhen von der persone des hailigen gaistes, daz si hoͤher geseczet ist in minne und in clarhait, daz dis nieman us gesprechen mag noch ir gelichen mag in kain wise und wege. [6] Es sprichet Hugo von sant Victor, daz ir ǒch verlúhen ist in der hailigen drivaltekait, daz nieman in die hailigen drivaltekait alz gar dieffe gehusset het noch fúrbǎs tuͦn mag nach got denne si allain. [7] Alle hailigen und engel hond gnad und lobe und froͤde und trǒst und wunne von ir, aber si het von in allen dienst und undertenikait, wie si wil. [8] 'Vil toͤchteren hǒnd schecze gesamnet, aber du hest si alle úbertrǒffen', sprichet der wise Salamon.


98

[1] Es sprichet ǒch Ansbertus an ainer bredige von únser frǒwen uffart also: Frowe aller welt, froͤwe dich, won was in himel und uf erden ist, daz froͤwet sich din und dines sunes, won mit dem du dich vil durchlitten hest uf erden, den nússest du nun in ewigem riche in vollem geluste. [2] Und sprichet Ansbertus darnach in únser frǒwen persone, daz si in dem ewigen leben alsus redet zuͦ irem sune Jhesu Cristo: [3] 'Gruͤczet siest du, min aingebornes kint und sune. [4] Gedanket si dir, daz du mich geschaffen hest und mich durch dich und mit dir gehailiget hest und mich úber alle creaturen geordenet hest und geseczet und gezieret hest. [5] Ich danken dir sunderlich, daz du dich us mir allain sunderlich geformet hest mit der menschait, die du, min got und min here, von mir genumen hest, mich und alles menschliches geslehte erloͤsen woltest. [6] Du hest mich dinem ewigen vatter enpfolhen nach allem wunsche. [7] Du hest mir gegeben allen gewalt und vermúgen, die ieman erdenken kan. [8] Du hest mich dinem hailigen gaist verainget in allen himelschen scheczen. [9] Daz aber ich din zart, vine und clare gothait und din rain usserwelten menschait sol fúrbas eweklich niessen, daz ist mir ain solich úberswenkige froͤde und trǒst, den weder ore mag gehoͤren noch ǒgen gesehen noch hercze betrahten noch munt noch zunge volle sprechen múgend. [10] Und darumb so lobe ich dich bis in die ewekait, daz du mich mit dinem gewalt ie und ie darzuͦ geordenet hest.' [11] Dis alles sprichet der in únser frǒwen persone, alz es der hailig gaist durch in gesprochen het.


99

[1] Es sprichet Bernhardus an ainer predige von Marien uffart: Es was und ǒch wart in allem disem zite nie wirdiger stat, denne der hailig tempel was, únser frǒwen megtlicher lip, darinne gottes sune wonen wolt. [2] So ist ǒch billich, daz si got in dem ewigen kúngrich geseczet het an die aller wirdigosten stat, die got gelaisten mohte und kunde. [3] Darumb si got billichen danken sol und wir mit ir. [4] Hildefonsus sprichet in dem buͦch von der goͤtlichen wonung: Marien uffart hǎt úns got ze grǒssem nucze geordenet darumb, daz si in himelrich únser getrúwe fúrsprecherin sie und uf erden únser huͤtterin und beschirmerin vor aller widerwertekait. [5] Es sprichet Fulbertus in siner predige ainer: Es ist úns die aller groͤste ere und nucze und wirdekait, daz Maria ǎne underlǎs in ir herschafft fúr úns bittet mit ganczem ernst. [6] Bernhardus sprichet an ainer predige: Die kaiserlich jungfrǒwe, die ain wege únsers behalters zuͦ úns worden ist, die ist ain wege von úns widerumb worden ze got und het solich gnade befunden bi got, daz si den súndern diser welt aplǎs git, den siechen aͤrcznie, den wiselǒsen wider bringet, den erschrǒken krǎft des herczten, den trúrigen trǒst, den verzagten die widerbringunge, den tǒten daz leben. [7] Anshelmus sprichet in ainem gebett also: Von Marien ere alles himelrich wirt erfrǒwet, also wirt von ir alles ertrich getroͤstet.


100

[1] Bernhardus sprichet von den worten, die Jhesus an dem crúcz redet: Wir hǒn nu ain sicher zuͦfluͦhte zuͦ got an gottes sune und siner muͦtter, won also Jhesus Cristus fúr úns zaiget sinem vatter die fúnfe minne zaichen siner wunden, also zaiget fúr úns die muͦter aller erbermd ir brúste, hercz und libe, und mag ains dem andern nút vorzihen, wenn si fúr úns bittent. [2] Es schribet Bona ventura, Maria het solich gewalt besessen bi irem sune Jhesu Cristo , alz Bona ventura an dem dritten buͦche von den goͤtlichen sinnen schribet, daz si úns me gnade und trǒst und hilfe in allen sachen erwerben mag allain, denne ob alle engel und hailigen mit enander fúr úns bettent ǎne si. [3] Maria ist schuldig allen súndern ze helfen, won si ist gottes muͦtter worden durch der súnder schulde willen, alz ir sun Jhesus Cristus sprichet in dem ewangelio: 'Ich bin nút kumen durch der gerehten willen, sunder durch der súnder willen, daz ich in ruͤffe zuͦ rúwen.' [4] Und davon redet Anshelmus zuͦ únser frǒwen an ainem gebette, daz er gemachet het von únser frǒwen und sprichet: Maria, din sune Jhesus ist kumen úns ze behalten, und darumb so maht du úns nút von dir vertriben. [5] Er het úns geruͤffet ze rúwen, so maht du úns nit vertriben von dir, du erwerbest úns alle gnade von im. [6] Din sun ist kumen, daz er den verlornen súnder suͦchen wil. [7] Aber du Maria, du bist die in vindet und umb in alles hail erwirbet. [8] Er sprichet ǒch: Wir slǎffen, wir wachent, wir sigent gevangen oder ledig oder was wir tuͦn, so hest du Maria ǎne underlǎs den grǒssen flisse fúr úns, wie du úns dinem sune gelieben múgest darumb, daz din trǒste mit úns dester grǒsser werde. [9] In ainer predige sprichet Bernhardus: Maria, alle din tugent, die du ie geuͦbtest, die sind ze ruͤmen, aber vor in allen so pris ich die erbermd, die du hest úber den súnder, won si ist alz lange, daz si weret bis an den júngsten tag allen den, die dich an ruͤffent. [10] Si ist alz wit, daz si sich spraitet úber allermenglich. [11] Si ist also hǒhe, daz si sich dringet bis zuͦ got, der dir nit verzihen wil. [12] Si ist alz tieff, daz die selan in der vegunge davon getroͤstet werdent. [13] Es ist unsegliches schaczes wert, daz du den gerehten und den súndern alle zit snelle und berait bist ze helfen in allen iren noͤten, sprichet Fulbertus an ainer predige. [14] Maria, dich mag von allen menschen núczet túeffer ermanen, sprichet Alexander úber den imnum 'Ave maris stella', denne daz man zuͦ dir spreche: 'Erzoͤge dich, daz du gottes muͦtter siest', won mit den worten so ist die hailige kaiserin an allen dingen fúr gebotten. [15] Anshelmus sprichet in dem gebette: Du bist die grǒs Maria, also ich sicher bin von dir, daz du mir guͦtteͣte und gnade und lǒne geben und erwerben maht, und darumb, du kaiserin himelriches und ertriches und gottes gebererin, ain brǒt des lebens, ain túr des hailes, ain durchgang des gelúgkes, ain weg der versuͤnunge, ain zuͦgang der wider bringunge, ich bitte dich durch diner frúhtberer geburte und durch der schonhait willen, die du bi dinem sune herlich und rilich besessen hest, daz mir von dir gnad und applǎs werde geben aller miner súnde, und ain minneriches hailiges leben verlihen wellest und mich dinem aingebornen sun geben wellest und mich ǎne ende eweklichen behuͤtten wellest und beschirmen wellest vor aller widerwertekait. [16] Daz sprichet der.


101

[1] Es ist gar ain klaines, daz ich zwelfter alte von der minerichen kaiserinen dich, minende sele, geleret hǒn wider daz grǒs lobe, daz von ir ze schriben were, dez doch nieman zuͦ ainem ende kumen mag noch kan, daz man got allain empfelhen sol. [2] Doch so lerne bi Marien leben, wie du den guldin trǒne mit ir also geprisen múgest, daz got krefteklich in dir besicze. [3] Dich, minende sele, und alle die, die sich dis buͦches gebesseren muͦgent, bitte ich gar demuͤteklich daz min ze got ernstlich gedenkent.


Zitierhinweis

Der zwölfte Alte. In: Otto von Passau digital, hg. im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Lydia Wegener, Elke Zinsmeister, Jens Haustein und Martin Schubert (2018-2022). Berlin. 03.03.2023

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